Sommerandachten 2017

Montag, 21. August | Zwei Männer, zwei Reaktionen und eine Hoffnung

Sommerandacht

>>> Apostelgeschichte 26,24-32

Paulus beeindruckende Verteidigungsrede ließ den Statthalter Festus und König Agrippa nicht kalt, die Reaktionen der Beiden könnten kaum unterschiedlicher sein. Festus, der mit lauter Stimmer sagte: „Paulus du bist von Sinnen! Das viele Studieren macht dich wahnsinnig.“ Festus fühlte sich regelrecht angegriffen von der Rede. Paulus aber antwortete: „Ich bin nicht von Sinnen, sondern ich rede wahre und vernünftige Worte“. Dann spricht Paulus König Agrippa direkt an, er fragt den König ganz persönlich, „Glaubst du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, dass du glaubst.“ Agrippa erwiderte: „Es fehlt nicht viel, so wirst du mich überreden und einen Christen aus mir machen.“ Es wird deutlich, wie die Rede, bei beiden auf unterschiedliche Art und Weise eingeschlagen hat, auch wenn keiner der beiden die gute Botschaft vom Reich Gottes verstanden hat. Festus, König Agrippa und dessen Schwester Berenike kamen schließlich zu dem Entschluss, dass Paulus nichts getan hat, was den Tod verdient hätte und eigentlich freigelassen werden könnte, hätte er nicht von dem Recht Gebrauch gemacht, sich als römischer Staatsbürger auf den Kaiser zu berufen.
War die ganze Aktion also umsonst? Hat die Rede ihren Sinn und Zweck verfehlt? Paulus handelte doch gemäß seinem Auftrag, der Verkündigung des Evangeliums. Er wollte all die Anwesenden zur Umkehr und zum Glauben bewegen, sie sollten die Wahrheit, Jesus Christus als befreiende Botschaft erkennen. Sie sollten so werden wie Paulus selbst, freie Menschen in Christus. Das ist doch der Gag an der Geschichte, Paulus steht als Gefangener vor den anwesenden Menschen und ist doch frei, frei in Jesus Christus (Apg 26,29). Und doch haben sie die Botschaft offensichtlich nicht verstanden.
Da sich Paulus auf den Kaiser in Rom berufen hatte, bescherte es ihm nicht nur eine freie Reise nach Rom – bei einer Freilassung hätten ihm wahrscheinlich weitere Mordanschläge von Seiten derer, die ihn angeklagt haben gedroht – sondern die Überstellung an den Kaiser verschafft Paulus ein weiteres, großes und offenes Forum zur Verkündigung der freimachenden Botschaft Jesu Christi.
Zuversicht und das Vertrauen, das Paulus in Gott setzte waren trotz seines Alters und der Fesseln, die er trug, sicherlich die entscheidenden Faktoren, die Paulus Stärke und Kraft im Glauben auf dem langen Weg der Verkündigung des Evangeliums gegeben haben.
Was bleibt uns von dieser Geschichte? Es bleibt uns die ermutigende und freimachende Botschaft Jesu Christi. Es bleibt das Vertrauen in Gott und die Hoffnung auf Jesus Christus für die Welt.
„Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Zuversicht.“ (2. Kor 3,12)

Moritz Krämer, Tübingen

Sonntag, 20. August | 108 Minuten mit Gott – Eine Zusammenfassung

Sommerandacht

>>> Psalm 62

18:30 Uhr – Psalm 62 noch nicht gelesen.
Ich: „Oh man, ne Andacht zu nem Psalm. Also keine Action, keine Wunder oder Worte Jesu, sondern mal wieder himmelhohes Jauchzen oder herzerweichendes Wehklagen eines Psalmisten.

18:32 Uhr – Psalm 62 einmal durchgelesen.
Ich: „Alles klar, Standardpsalm eben. Hilfe, Vertrauen, Hoffnung – kennt man alles.

19:30 Uhr – Psalm 62 zum x-ten Mal gelesen.
Ich: „Alter, wie macht er das nur?!“

Na, findest du dich wieder? Wahrscheinlich schwankst du gerade irgendwo zwischen 18:31 und 18:32 Uhr – wer liest den Psalm schließlich eine Stunde lang durch, bevor er sich der Andacht dazu widmet? Hat sich aber gelohnt – denn irgendwann zwischen 18:55 Uhr und 19:12 Uhr ist mir klargeworden, dass der Psalm keineswegs langweilig und ausgelutscht ist. Er ist brandaktuell!
Schauen wir uns doch mal die Situation an, in welcher der Psalmist David steckt. Mitmenschen die heucheln oder lügen; die uns Böses wollen und selbst dann nicht ablassen, wenn wir bereits am Boden zerstört sind. Wer hat das nicht schon mal erlebt? Da geht es einem so richtig mies.
Zu meinem Erstaunen aber klingt Davids Psalm dennoch wie ein Loblied. „Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe. Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; darum werde ich nicht wanken.“ Da beschreibt sich David selbst als „eingestoßene Mauer“ und bekräftig anschließend „auf Gott ruht mein Heil und meine Ehre.“
Das haut mich um! Das fasziniert mich! Deshalb sitze ich jetzt da und fragte mich: „Alter, wie macht er das nur?“ Woher hat David dieses große Vertrauen?

20:10 Uhr – Ich kann den Psalm nahezu auswendig.

Die eine richtige Antwort auf diese Frage werde ich nicht finden. Sicherlich baut das Vertrauen Davids auf seine Erlebnisse mit Gott auf. David hat bereits Großartiges mit Gott erlebt, bevor er als König diese Psalmen schreibt. Oder es sind Worte Gottes, die er gehört oder gelesen hat, die ihn in seinem Glauben bekräftigen. Vielleicht liegt ein Teil der Antwort auch ganz zu Beginn des Psalmes „Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe“. Er kommt zu Ruhe, nimmt sich Zeit für Gott und spürt so seine Gegenwart – ganz gleich, wie sehr die Welt um ihn herumtobt.

20:18 Uhr – Vers 2 hängt fett auf ein A4-Blatt geschrieben über meinem Schreibtisch.

Denn wir können von David durch diesen Psalm eine Menge lernen. Wir können uns sein Vertrauen zum Vorbild machen. Wir können die Augen offenhalten und Gott ganz konkret im Alltag erleben. Uns ist ein knapp zweitausend Seiten umfassendes Buch voll Erfahrungen anderer Menschen mit Gott geschenkt. Vor allem aber dürfen wir bei Gott zur Ruhe kommen und auf seine Hilfe und Gnade vertrauen.

Josephin Trabitzsch, Kiel

Samstag, 19. August | Paulus Verteidigungsrede

Sommerandacht

>>> Apostelgeschichte 26,1-23

Paulus‘ Situation erscheint auf den ersten Blick vielleicht fremd. Er lebt in einer Zeit, in der Christen verfolgt und getötet wurden. Ihre Religion war für die Leute damals neu und unbekannt und vielleicht deshalb angsteinflößend. Paulus war zunächst einer von denen, die Christen verfolgt haben, er reiste dafür sogar in fremde Städte. Doch auf einer seiner Reisen begegnete ihm Jesus und für Paulus wurde klar, dass er sein Leben ändern musste. Wegen dieses Lebenswandels stand er nun vor Gericht vor dem damaligen König Agrippa, der entscheiden sollte, was mit Paulus geschehen würde. Für Paulus stand sein Leben auf dem Spiel.
Mir selbst kommt dieses Situation trotzt ihrer Fremdheit bekannt vor. Ich kenne das Gefühl, anklagend gefragt zu werden, warum ich Christ bin und wie man denn als intelligenter Mensch ernsthaft an Gott glauben könne. Diese Frage gibt mir das Gefühl vor Gericht zu stehen und auf jeden Fall für schuldig befunden zu werden. Ich fühle mich, als ob ich mich rechtfertigen müsste und als ob meine Antworten wie billige Ausreden klingen.
Manchmal weiche ich deshalb der Frage aus und versuche das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken. Manchmal antworte ich, aber bin dabei unsicher und weiß nicht genau, was ich sagen kann, um mich verständlich zu machen. Glaube ist etwas sehr Intimes, Persönliches – darüber zu reden, kann verletzlich machen. Und ich habe Angst, nicht verstanden, ausgelacht zu werden. Ich fühle mich nicht ernst genommen und weiß nicht, ob meine Antwort überhaupt gehört werden will.
Wenn ich jetzt aber meine Situation mit der von Paulus vergleiche, kommen mir meine Ängste albern vor. Paulus muss sich vor dem obersten Richter, dem König, verteidigen und ich werde nur neugierig-anklagend von meinen Freunden und Bekannten gefragt, von Leuten, die mich mögen, und ich muss nicht den Tod fürchten.
Paulus, der jedes Recht hätte, ängstlich zu sein, weicht der Frage nicht aus. Er erklärt, warum er Christ ist und erzählt freiheraus von seiner Begegnung mit Jesus. Er rechnet damit verstanden zu werden, er spricht, als wäre es das Selbstverständlichste mit dem König über Christus zu plaudern. Paulus weiß genau, was er sagen will und ist sich seiner Sache sicher.
Das gibt mir Mut für das nächste Mal, wenn ich nach meinem Glauben gefragt werde. Ich muss mich nicht verteidigen, ich kann freisprechen. Ich kann mit Selbstsicherheit antworten, damit ich erst genommen werde und meine Antwort gehört wird. Ich kann von Gott erzählen wie von einem Freund, denn er ist mein Freund und steht auf meiner Seite.

Katrin Lüdeke, Oldenburg

Freitag, 18. August | König Festus

Sommerandacht

>>> Apostelgeschichte 25,13-27

Sehr geehrter König Festus,

Ich schreibe dir im Jahr 2017. Das ist circa 2000 Jahre später, als der Moment, in dem du gerade lebst. Es wurden viele für dich verrückte Dinge erfunden. Es gibt kleine Metallkästen, auf denen eine Glasscheibe angeschraubt ist, mit denen du Leuten in Sekunden schnelle Nachrichten zukommen lassen kannst. Dafür ist noch mehr nötig, als dieser Glaskasten, aber ich will dich nicht weiter mit Sachen belästigen, die du eh nicht verstehst. Im Moment passiert auf der Welt ziemlich viel. Aus dem Gebiert, wo du wohnst, fliehen viele Menschen in mein Land, weil dort Krieg herrscht. Mein Land ist ein Teil von dem was du wahrscheinlich als Germanien kennst. Es heißt mittlerweile Deutschland.

Viele Deutsche sind den Leuten aus deinem Land misstrauisch gegenüber, weil sie denken, die Flüchtlinge nehmen ihnen die Arbeitsplätze weg oder die Flüchtlinge sind sowieso alle Diebe und Straftäter. Die meisten der Flüchtlinge sind aber friedlich und froh in Deutschland zu sein. Viele von ihnen wollen nur eine Arbeitsstelle und Sicherheit.

In einem tollen Buch hab’ ich gelesen, wie du mit deinem Gefangenen Paulus umgegangen bist. Die ganzen Juden wollten Paulus töten, aber du bist deinem Gewissen und den römischen Gesetzen gefolgt. Du hast dir nicht reinreden gelassen und dich nicht negativ beeinflussen lassen. Dein Freund König Agrippa hat nachdem du ihm von Paulus erzählt hast nur gesagt: „Diesen Mann würde ich selbst gerne einmal hören“. Auch er macht sich selbst ein Bild; glaubt nicht den Juden, aber auch nicht dir. Er guckt nicht nur oberflächlich auf die Sache, sondern will ihn persönlich sehen. Er vorverurteilt Paulus nicht, auch nicht als komplett unschuldig. Ich glaube so ähnlich kann man mit vielen Situationen umgehen. Es wird viel geredet, aber man kann sich nie sicher sein, ob der Nachbar die Wahrheit sagt oder auch nur das wiederholt, was er von Frau Müller aufgeschnappt hat. Und wenn man etwas sicher weiß, warum sollte man nicht daran glauben, auch wenn Frau Müller sagt, es wäre alles ganz anders und man könnte den Zeitungen sowieso nicht glauben.

Auch wenn die scheinbare überwiegende Masse an Juden gesagt hat, dass Paulus schuldig ist und er getötet werden muss, hast du nachgehakt und dir ein eigenes Bild gemacht und dich nicht von deiner richtigen Meinung abbringen lassen. Du hast unter die Oberfläche geguckt und gesehen, dass Paulus unschuldig ist. Denn es wäre ja unnötig jemanden vor den Kaiser zu bringen, ohne zu wissen, was gegen ihn vorliegt.

Josephine Stephan, Wilhelmshaven

Donnerstag, 17. August | Vertraue Dir selbst

Sommerandacht

>>> Apostelgeschichte 25,1-12

Dieser Text bietet viele Dinge, die für mich in einem guten Krimi, in einer spannenden Serie oder in einem Film nicht fehlen dürfen. Der Text erzählt von Intrigen, Verschwörung, von Bestechungsversuchen. Ein noch unerfahrener neuer Statthalter wird beinahe für einen Mordversuch ausgenutzt. Das klingt erstmal spannend.
Doch wenn ich die Geschichte weiterlese, ist sie zwar noch spannend erzählt, doch ich bin froh, nicht in Paulus Haut stecken zu müssen. Ich möchte nicht mit ihm tauschen. Zwei Jahre sitzt er schon im Gefängnis und wartet auf seinen Prozess. Zwei ganze Jahre Ungewissheit, wie es weitergeht, wie das Urteil ausfällt. Und dann sind da ja noch seine Gegner, die ihn am liebsten unter der Erde sehen würden. Für die Anschuldigungen seiner Gegner, er habe gegen Gesetze verstoßen, sei Anführer einer gefährlichen Gruppe und habe einen öffentlichen Aufruhr angestiftet, gibt es keinerlei Beweise. Paulus beteuert, dass er sich nichts zu Schulden hat kommen lassen (V.8). Er beruft sich in letzter Sekunde, so scheint es, auf sein römisches Bürgerrecht. Dieses erlaubt ihm vor den Kaiser zu treten und dort Berufung einzulegen. Aber wie frustrierend und anstrengend muss es wohl für ihn gewesen sein im Gefängnis zu sitzen, sich falsche Anklagepunkte anhören zu müssen, obwohl er unschuldig ist.
Mir gefällt Paulus im Verlaufe dieser Geschichte immer besser. Ich bewundere ihn. Alle um ihn herum sind gegen ihn. Aber er hat auf sein Recht bestanden. Er hat sich nicht klein kriegen lassen. Er hat sich nicht einschüchtern lassen. Hier wird die Situation des Paulus für mich aktuell. Auch ich muss manchmal dafür „kämpfen“, dass ich mit meiner Meinung nicht zu kurz komme. Ich habe manchmal nicht den Mut zu sagen, wenn mir etwas nicht passt. Um einem Konflikt, einer Diskussion aus dem Weg zu gehen, bleibe ich still und sage meine Meinung nicht. Ich bin nicht immer so mutig und selbstbewusst, wie Paulus hier beschrieben wird. Doch nach dem Lesen dieses Textes fasse ich neuen Mut: Wenn ich etwas sagen will, dann tue ich es. Ich halte meine Meinung nicht länger zurück. Ich möchte mich nicht einschüchtern lassen durch andere.
Nach dem lesen dieser Geschichte von Paulus möchte ich mir vornehmen: Sei mutig! Lass dich nicht einschüchtern! Habe Vertrauen zu dir selbst!

Im Gebet möchte ich Gott heute bitten:
Lieber Gott,
nicht immer habe ich den Mut etwas zu sagen. Nicht immer traue ich mich meinen Mund aufzumachen und das zu sagen, was ich denke. Vielleicht komme ich heute wieder in so eine Situation, wo ich etwas sagen möchte, es mich aber dann doch nicht traue.
Bitte schenke mir dafür Vertrauen in mich selbst und Mut. Ich muss mich nicht vor Anderen verstecken. Schenke mir die richtigen Worte, damit ich das ausdrücken kann, was ich sagen will.
Amen

Jonas Stolze

Mittwoch, 16. August | Aufgeschoben und alsbald aufgehoben

Sommerandacht

>>> Apostelgeschichte 24,22-27

Den heutigen Textabschnitt würde man möglicherweise überlesen, wenn man ihn sich in einem größeren Zusammenhang anschaut. Also wenn man beispielsweise das ganze Kapitel durchgeht oder die Apostelgeschichte am Stück. Denn was passiert eigentlich konkret: Paulus steht angeklagt von Juden vor Gericht, er wird dort eine Weile festgehalten, der Statthalter Felix kann sich wohl nicht entscheiden. Dann wird Paulus als Angeklagter weitergeleitet an einen nachfolgenden Statthalter Festus, der ihn schließlich vor den König Herodes Agrippa II führt. In dieser Ereignisfolge gesehen ist die Anklage vor dem Statthalter Felix nur die erste Station der Gerichtskette von Paulus in Cäsarea. Also nichts Bedeutendes. Um wen es in diesem Ausschnitt jedoch hauptsächlich geht, ist nicht Paulus, sondern der Römer Felix. Also lies dir die Geschichte noch einmal durch und konzentriere dich dabei auf Felix, den Statthalter Cäsareas. Wer ist er? Wie handelt er? Warum handelt er so?
Zuerst wird beschrieben, dass Felix „von dem Weg genauere Kenntnis hatte“. Der Weg ist die christliche Lehre. Felix ist also kein Unwissender, der das Judentum und Christentum in einen Topf wirft. Er weiß um die feinen Ungleichheiten, welche von großer Bedeutung sind. Felix möchte das Urteil über Paulus vertagen. Er will warten bis „Lysias der Oberste“ von Jerusalem in die Stadt kommt. Möglicherweise möchte er eine führende Persönlichkeit an seiner Seite haben, wenn er ein Urteil fällt, um sich nicht die falschen Feinde zu machen. Er ist sich also nicht im Klaren, welches der richtige Richterspruch ist – vermutlich vor allem hinsichtlich seiner politischen Karriere. Daraufhin befiehlt er dem Hauptmann, Paulus in Gewahrsam zu nehmen. Jedoch können Anhänger und Freunde Paulus‘ jederzeit besuchen und ihn mit allem Nötigen versorgen. Alleine diese Tat lässt Fragen offen. Warum handelt Felix Paulus gegenüber derart freundlich?
Als Nächstes bringt er sogar seine Frau Drusilla zu Paulus. Drusilla ist Jüdin, sie ist die Schwester von König Agrippa II, also aus hochherrschaftlichem Haus. Erstaunlich ist es, dass dieses Paar sich nun für den christlichen Glauben interessiert. Aus welchen Gründen, ist nicht erkenntlich. Doch die Neugier ist da. Allerdings erzählt Paulus nun vom „kommenden Gericht“. Dieses trifft Felix mehr als geahnt. Er gebietet Paulus aufzuhören. Mit dem kommenden Gericht kann nur der jüngste Tag gemeint sein. Und dieser lässt vor allem Furcht zu, wenn man sich konkret an Dinge erinnert, welche an diesem letzten Gericht geahndet werden.
Paulus spricht von Gerechtigkeit. „War ich gerecht?“, stellt sich Felix die Frage. Von seiner Reaktion her zu schließen nicht.
Paulus spricht von Enthaltsamkeit. „War ich meiner Frau treu?“, geht Felix in sich. Von seiner Reaktion her zu schließen nicht.
Felix hat vorerst genug gehört. Doch er hält sich Paulus warm. Falls ihn das Interesse wieder lockt, will er mehr über den christlichen Glauben hören. Des Weiteren hofft Felix, dass Paulus von Gönnern freigekauft wird. Er sieht in dem Verfahren ein lukratives Geschäft. Doch offenbar blieb dieses aus, denn nach zwei Jahren übergibt Felix Paulus seinem Nachfolger Festus.
Felix ist ein Mann im Zwiespalt. Sein Interesse für den christlichen Glauben ist offensichtlich, doch es hält ihn zu sehr zurück, als dass er sich weiter damit beschäftigen möchte. Anstatt die Gelegenheit zu ergreifen von der christlichen Lehre noch mehr zu hören, erschreckt er zu tief. Er verschiebt die Angelegenheit. Und lässt sie nach zwei langen Jahren komplett verstreichen.

Maria Stracke

Dienstag, 15. August | Geh‘ deinen Weg!

Sommerandacht

>>> Apostelgeschichte 24,1-21

Gibt es bei dir Ungewissheiten im Leben? Was für eine blöde Frage. Sicher gibt es die! Denn jeder Mensch hat welche in seinem Leben. Die Unterschiede sind nur, wie man mit ihnen umgeht. Manchen liegen sie wie ein Stein auf dem Herzen und bei dem bloßen Gedanken daran kriegen sie Panik. Andere haben sie immer mal wieder im Hinterkopf und sind dann nervös. Einige gehen ziemlich gelassen damit um, sie sind gespannt, was auf sie zukommen wird und freuen sich schon darauf, etwas Neues zu erleben. Und dann gibt es noch solche wie Paulus, die sich – zumindest augenscheinlich – keine Sorgen machen, sondern in erster Linie auf Gott vertrauen und mit seiner Güte und Kraft das ertragen, was auf sie zukommen mag.
Paulus wurde von einigen Juden angeklagt und muss sich vor dem Statthalter Felix verteidigen. Aber anstatt sich übermäßig zu rechtfertigen, spricht er plötzlich: „… dies bekenne ich dir, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, so dem Gott meiner Väter diene…“ (V. 14, Elberfelder Übersetzung). Das damals sich noch langsam ausbreitende Christentum wurde als Nazarener-Sekte bezeichnet und dadurch verurteilt und verachtet. Doch nicht nur, dass Paulus sich ganz offen und unerschrocken zu dieser Sekte bekennt, seine Wortwahl dafür ist auch sehr interessant. Er benutzt das Wort „Weg“. Ein Weg verläuft nicht immer geradeaus, sondern hat Kurven und kann sich schlängeln. Wie erleichternd ist da der Gedanke, dass selbst bei so einem Vorbild eines Missionars wie Paulus, die Nachfolge Jesu Christi möglicherweise nicht immer geradlinig, sondern auch mit Abzweigungen und Sackgassen verlief. Trotz Rückschlägen ist er immer Gott treu geblieben, hat sich zu ihm bekannt und ihn verteidigt. Auch jetzt, wo Paulus nicht sicher ist, welches Urteil der Statthalter fällen wird, lässt er sich nicht unterkriegen. Seine Verbundenheit zu Gott steht bei ihm an erster Stelle. Durch sie kann er auch Verfolgungen und Anklagen erdulden.
Geht es dir auch so, dass dir dein Glaube zu Gott wichtiger ist als alles andere? Oder gibt es vielleicht etwas Anderes, das bei dir an erster Stelle steht? Bei mir schwankt das hin und wieder. Doch Paulus macht mir Mut, dran zu bleiben: „Ich singe für die Mutigen, die ihren Weg suchen, die das zurücklassen, was sie gefangen hielt. Ich sing für die Vertrauenden, die Gottes Ruf hören, die auch ins Ungewisse gehen mit ihm.“

Josefin Fahnert, Bad Boll


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Die Andachten für die Sommerzeit 2017 wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der  Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens der jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die gedruckte Exemplate der Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben. Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.