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Sommerandachten 2020

Dienstag, 25. August | Freundschaft | Markus 8,27-33

Sommerandachten 2020

>>> Markus 8,27-33

Ich kann Petrus schon gut verstehen. Er will ja nur das Beste für seinen Freund. Wenn mir eine meiner Freundinnen erzählen würde, dass sie bald verhaftet und dann die Todesstrafe bekommen wird, würde ich auch durchdrehen. Vor allem wenn das alles passiert, obwohl sie nichts Unrechtes getan hat. Ich würde sie verstecken, zu den Behörden rennen, versuchen, das Missverständnis aufzuklären. Und wenn sie mich dann angehen würde, wie Jesus Petrus angegangen ist, dann würde ich vermutlich gar nichts mehr verstehen.

Petrus will doch nur verhindern, dass sein bester Freund unschuldig umgebracht wird. Ich kann ihm das nicht Übel nehmen. Aber aus der Sicht von Jesus ist die Situation schon nachvollziehbar. Jesus selbst hat seinen himmlischen Vater später auch darum gebeten, dass er diesen Kelch an ihm vorübergehen lassen soll. Also dass Gott eine andere Lösung findet und er nicht diesen schweren Weg gehen muss. Jesus war ein Mensch, er hatte in allem Vertrauen Gott gegenüber sicherlich große Angst. Vermutlich hat er mit sich selbst gekämpft und hätte von seinen Freunden Unterstützung gebraucht. Gerade von dem Freund, der ihm gerade noch gesagt hat, dass er der Christus ist. Also der Messias, der von Gott Gesandte. Stattdessen fällt ihm dieser Freund in den Rücken, will ihm das ausreden, mit dem er selbst zu kämpfen hat.

Die Situation ist alles andere als einfach. Und sicherlich geht es hier um mehr als um Freundschaft, aber für mich ist dieser Punkt noch einmal wichtig geworden. Freundschaft bedeutet nicht, dass man immer einer Meinung sein muss. Freundschaft bedeutet auch nicht, immer alles gut zu finden, was der andere macht. Freundschaft bedeutet, sich gegenseitig zu unterstützen. Auch ehrlich miteinander zu sein, aber wenn es hart auf hart kommt, füreinander da zu sein. Auch mal zu schweigen und zu zeigen, dass man für den anderen da sein wird, gerade in schwierigen Situationen.

Nicht jede Freundschaft ist immer leicht, aber ich möchte dir heute Mut machen, in deine Freundschaften zu investieren. Auch, wenn es gerade sehr schwierig ist. Lass dich nicht entmutigen!

Annegret Trades, Kassel

Montag, 24. August | Ein Blinder wird geheilt | Markus 8,22-26

Sommerandachten 2020

>>> Markus 8,22-26

In Markus 8, 22-26 heilt Jesus einen Blinden Mann. Ich denke, egal auf welche Art man blind ist. Ob man blind vor Liebe ist, blind für das Wohl seiner Mitmenschen oder blind, weil man kranke Augen hat. Man braucht jemanden, um diese Blindheit zu überwinden, jemanden der dir die Augen öffnet.

Jesus tat das, er hat den bilden Mann wieder sehend gemacht. Ihm war es wichtig, den Mann nicht vor allen Leuten zu heilen und dafür Lob zu bekommen. Jesus hat sich Zeit genommen und wollte es nicht an die große Glocke hängen, er ging mit dem Mann aus dem Dorf und beschäftigte sich nur mit ihm. Gott war es wichtig, körperliche Nähe zu dem Mann aufzubauen, also strich Jesus ihm Speichel auf die Augen und legte dem Mann die Hände auf. Danach fragt er den Mann „Siehst du?“, Jesus wollte es genau von ihm wissen.

Und als der Mann erwiderte, er würde die Menschen sehen, aber als wären es herumwandelnde Bäume, da legte Jesus dem Mann erneut die Hände auf. Ich denke, Jesus will damit ausdrücken, dass eine Heilung nicht von jetzt auf gleich geht. Es braucht Zeit, Geduld und vor allem Zuneigung. Es geht nicht alles mit einem Mal, zack und alles ist wieder gut.

Was ich in dem Bibeltext auch sehr ausdrucksvoll und zusprechend finde, dass Gott ja ganz eindeutig die Blindheit vollständig von dem Mann nehmen möchte. Er hätte nach dem ersten Heilen sagen können, na zumindest besser, als wenn du gar nichts siehst. Aber Jesus war es wichtig, den Mann ganz zu heilen und dass er alle genau erkennen kann. Und am Ende sagte Jesus zu dem Mann, er solle gleich nach Hause gehen, nicht erst durch das Dorf. Der Mann sollte nicht in seine alten Verhältnisse zurück, die vielleicht eher schlecht waren.
Er musste sich nicht erst die Meinung der anderen anhören, er war geheilt.

Ich denke, Jesus will sich auch für jeden einzelnen von uns Zeit nehmen und unsere Blindheit in manchen Situationen heilen. Ihm ist es wichtig und er hat uns nicht vergessen, aber auch wir müssen uns heilen lassen und auf Gottes Stärke vertrauen. Jesus will nicht nur oberflächlich wirken, sondern ganz. Ich denke auch jetzt noch gibt es Wunder, vielleicht nicht in jedem Fall so offensichtlich und groß, aber dennoch mit solcher Stärke. Wir müssen auch aufmerksam für die kleinen Dinge sein und die Details betrachten. Gott wirkt noch immer.

Charlotte Beyreuther, Bockau

Sonntag, 23. August | Hilf Herr! | Psalm 140

Sommerandachten 2020

>>> Psalm 140

Der heutige Text führt uns in eine ziemlich eklige Situation. Es geht um sogenannte „böse Menschen“, von denen wir alle welche kennen. Auch wenn wir die beschriebenen Situationen vielleicht nicht haargenau so am eigenen Leib erfahren mussten, so hinterlässt der Text zu Beginn doch trotzdem ein unwohles Gefühl, nicht wahr?

Interessanterweise lässt sich die Bibelstelle gut in 5 Abschnitte teilen. Die Einleitung fällt direkt mit der Tür ins Schloss: „HERR, rette mich vor bösen Menschen!“ (Vers 2). Das nenne ich mal einen Hilferuf vom Allerfeinsten! Dazu finde ich es auch bemerkenswert, dass der erste Satz überhaupt an Gott geht. Es beginnt nicht mit Fluchen, Schimpfen oder einem verzweifelten sich im Selbstmitleid baden – das wäre bei mir der Fall. Es beginnt mit einer Bitte, bei der der Fokus klar ist. „Beschütze mich vor denen, die sich mit roher Gewalt durchsetzen!“ (Vers 2).

Diese Menschen sind keine lustigen Gesellen, sie „brüten Gemeinheiten aus und versuchen, Streit anzufangen.“ (Vers 3), während ihre Worte „todbringend wie Schlangengift“ (Vers 4) und sie gewalttätig und brutal sind. Mir wäre eine solche Gesellschaft auch mehr als unangenehm. Mit der Beschreibung der „bösen Menschen“ weiß man ungefähr, mit wem man es zu tun hat. Im dritten Abschnitt wird alles daraufgesetzt, dass Gott hört, hilft und sich von seiner mächtigen Seite offenbart. So mächtig, dass er sogar „glühende Kohlen auf sie fallen“ lassen und sie nicht nur ins Feuer, sondern direkt auch „in tiefe Schluchten, aus denen sie nicht mehr entkommen können“ stürzen soll (Verse 10-11).

Das sind harte Worte, denn der Schreiber wünscht ihnen im wahrsten Sinne den Tod! Warum wünscht sich der Schreiber so etwas?

Das löst sich bald auf:
Es geht nicht um generelles Schlechtreden und Schlechtes tun, dem dann als Folge direkt der Tod gewünscht wird. „Wer den guten Ruf eines anderen zerstört, der soll in diesem Land kein Glück haben. Und wer vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckt, der soll vom Unglück verfolgt werden.“ (Vers 12). Das ist also der Knackpunkt dahinter. Möglicherweise, weil schlecht über den Schreiber gesprochen und ihm Gewalt angetan wurde, ist dieser aufgebracht. Sollte das der Grund sein, ist es mehr als nachvollziehbar. Genauso kann man sehr gut verstehen, dass der Schreiber diesen „bösen Menschen“ Böses wünscht.

Dennoch muss ich ehrlich zugeben, dass ich froh bin, dass die Bibelstelle nicht negativ endet und nicht Böses mit Bösem vergolten wird. Nein, es endet mit einer Zuversicht, die ich einer und einem jeden von uns nur wünschen kann, egal in welcher Situation wir uns befinden. „Ich weiß, dass der HERR den Unterdrückten beisteht und den Wehrlosen zu ihrem Recht verhilft. Deshalb werden dich, HERR, alle preisen, die zu dir gehören. Deine Nähe erfährt jeder, der aufrichtig mit dir lebt.“ (Verse 13+14). Diese Gewissheit spendet Trost und gibt Halt, selbst wenn die „Bösen“ so präsent sind. Gott ist jedem nah, der bei ihm Hilfe sucht. Er hilft!

Jani Djamba, Mainz

Samstag, 22. August | Gottvertrauen | Markus 8,14-21

Sommerandachten 2020

>>> Markus 8,14-21

Vertraue ich Gott?
Verstehe ich Gott?

Diese Fragen haben wir uns alle schon gestellt. In Markus 8,14-21 verstehen die Jünger Jesus nicht. Geduldig erklärt er ihnen, dass sie sich nicht auf weltliche Güter, aber auf Gott verlassen können. Die Jünger zweifeln. Hätten sie nicht doch mehr Brot mitnehmen sollen statt des einen einzigen? Jesus bemerkt ihre Zweifel. Er erinnert sie an die Speisung der Fünftausend (Mk 6,30-44) und der Viertausend (Mk 8,1-9), die allen noch klar vor Augen stehen. Ob sie Jesus jetzt verstehen?

Im Markus-Evangelium zeigt sich so das Handeln Gottes durch seinen eingeborenen Sohn.
Wenn wir an die letzte Zeit zurückdenken: Haben wir dann unser Vertrauen auf Gott, unseren Vater, gesetzt oder sind wir auf Nummer Sicher gegangen? Wieso fällt es uns manchmal so schwer, ganz auf Gott zu vertrauen? Oder Gottes ausgestreckte Hand zu spüren und fest zu ergreifen, die er uns in jedem Moment entgegenstreckt?

Von Romoletto erzählt der Schriftsteller Umberto Eco: „Der Tiber ist über die Ufer getreten. Romoletto, ein gläubiger Christ, sitzt in seinem Haus fest. Das Wasser geht schon bis an das Fenster. Er betet zu Gott um Rettung. Und wirklich, es ertönt eine Stimme von oben: „Fürchte dich nicht, hab Vertrauen, ich werde dich retten.“

Drei Schlauchboote kommen vorbei und wollen ihn mitnehmen: Von der Feuerwehr, vom Roten Kreuz und von der Polizei. Das Wasser steigt und steigt, aber Romo bleibt im Haus und wartet auf Gott. Kurz und gut, Romoletto ertrinkt.

Er kommt wütend zu Petrus und beschwert sich, dass sein Chef nicht Wort gehalten habe. Petrus wundert sich: „Sonderbar, wenn der Chef etwas sagt ... Wie heißt du? Romoletto ... Ro ... Ro ... ah, hier ...“ Und er ergrimmt: „Was redest du denn da? Drei Schlauchboote haben wir geschickt, drei Schlauchboote!“

Lasst uns nach Momenten in unserem Leben suchen, in denen es uns ging wie Romoletto. Haben wir Gott vertraut und sind in das Schlauchboot gesprungen? Haben wir Hand ergriffen, die Gott uns entgegengestreckt hat?

Setzen wir unser Vertrauen auf Gott. Er wird uns nicht hungern und im Regen stehen lassen. Lest doch wieder einmal die Wunder in den Evangelien. Gott half durch seinen Sohn allen, die an ihn glaubten und ihm vertrauten. Genau das tut er auch für uns durch den Heiligen Geist. Gott nutzt manchmal verborgene Wege. Manchmal erkennen wir sein Tun erst später. Aber er will für jeden von uns das Leben. Denn: Gott mutet uns nie mehr zu, als wir tragen können.

Max Bretschneider, Aue-Bad Schlema

Freitag, 21. August | Q.E.D. | Markus 8,10-13

Sommerandachten 2020

>>> Markus 8,10-13

In tropischen Graslandschaften gibt es das spannende Phänomen der sogenannten „Feenkreise“. Dabei handelt es sich um Kahlstellen in Form eines Kreises, die ein sehr stark bewachsener Grasring umgibt. Seit vielen Jahren wird die Entstehung der Feenkreise wissenschaftlich untersucht und verschiedene Hypothesen wurden dazu aufgestellt. Doch ein hieb- und stichfester Beweis konnte bis heute noch nicht erbracht werden (Stand: 2020). Und gerade eine solche Wissenslücke dürfte die Forscherwelt natürlich extra motivieren, endlich das Rätsel der Feenkreise zu knacken.

Für uns Menschen ist dies nur eine allzu typische Eigenschaft oder? Meistens fällt es uns schwer, unglaubliche Dinge einfach hinzunehmen – für uns ist es wichtig, dass wir für alles irgendwie eine Erklärung oder einen Beweis finden. Genauso geht es in der heutigen Geschichte den Pharisäern. Sie fordern von Jesus einen Beweis dafür, dass Gott ihn gesandt hat. Doch dies basiert nicht auf ihrem Wissensdurst, sondern schlicht und einfach in ihrem Misstrauen. Jesus erbringt einen solchen Beweis nicht. Er war doch keine „Wundermaschine“ und wollte auch nicht, dass ihn die Welt nur als den großen Wunderheiler sieht. Und selbst wenn Jesus der Forderung der Pharisäer nachgekommen wäre – man kann nicht wirklich davon ausgehen, dass sie seinen „Beweis“ akzeptiert hätten.

Der Glaube ist eine Ahnung, ein Gefühl, ein Vertrauen in einen Gott, der in unserem Leben wirken kann. Die Pharisäer konnten so ein Vertrauen nicht aufbringen – sie wollten vielmehr die Kontrolle über Jesus. Lass dich heute dazu ermutigen, ihm zu vertrauen. Mach den Schritt in dieses manchmal unsichere Terrain. Wage es, Gott in seinem Wirken zu vertrauen – dann wird er es dir beweisen und sich in deinem Leben zeigen ...

Benjamin Frank, Annaberg-Buchholz

Donnerstag, 20. August | Warum werde ich nicht satt? | Markus 8,1-9

Sommerandachten 2020

>>> Markus 8,1-9

Inventur I
eine Wohnung, eine Familie, Freunde, einen Beruf, der meine Berufung ist, genügend zu Essen und zu Trinken, ein Glas Wein am Abend, meinen Kaffee am Morgen, das Lachen meiner Kinder, der Wald, wenn ich aus dem Fenster sehe, die auffliegenden Tauben des Nachbarn, der laue Sommerabend auf dem Balkon, die Turmfalken oben im Dach, der Urlaub am Meer, die erfüllten Wünsche, die Zukunft vor Augen. Die Hoffnung im Gepäck.
Es geht mir gut.

Inventur II
den Zweifel, der wieder mit der Sehnsucht Brüderschaft trinkt, das Gefühl, dass da noch mehr sein muss und die Gewissheit, dass das nicht alles gewesen sein kann, die Trauer um die verpassten Chancen, und ungenutzten Gelegenheiten, die Frage, ob das hier wirklich der Ort ist, an dem ich sein sollte, die Ungewissheit, ob das jetzt der beste aller Sommer ist, oder doch wieder nur der zweitbeste. Der Hunger nach Leben und die Idee einer besseren Welt. Und das eigene Unvermögen, sich nicht mit der Situation abfinden zu können. Und die Wut, und die Trauer und die Fassungslosigkeit.

Inventur III
Wie viele Brote habt ihr?, fragt der Mann aus Nazareth. Zu wenige. Es reicht nicht. Wieder nicht. Wieder die Erfahrung: Ein großer Traum platzt, weil die Ressourcen fehlen. Wie so oft. Sei es Brot, sei es Zeit, sei es Kraft, sei es Mut, sei es der Glaube. Ein bisschen ist immer da, aber immer zu wenig. Immer nur sieben.

Er bricht die sieben Brote. „Das kann ja nichts werden“, hört man die Jünger flüstern. 7 Brote – 4000 Menschen. Das kann ja nichts werden. Wir brauchen uns keine Illusion zu machen.

Jeder nimmt sich sein Stück Brot. Jede das, was ihr zusteht. Jeder teilt mit dem Nächsten. Jeder Zweifel verfliegt, die Sehnsucht nach mehr vergeht. Mensch mit Mensch trinkt Brüderschaft. Hier sind alle Menschen gleich – alle Menschen richtig – alle an dem Ort, an den sie gehören. Der Hunger vergeht. Die Wut und die Trauer über all die nicht erreichten Pläne, alles das verschwindet in Anbetracht des Brotstückes, das ich mit meinem Nächsten teile. Das Brot reicht für alle. Es macht nicht satt für ein Leben, aber satt für diesen Augenblick.

In der Zeit werden wir immer wieder Hunger, Sehnsucht, Traurigkeit spüren, aber nicht im Augenblick.
Nicht in dem Moment, in dem Jesus uns das Brot reicht – und satt macht.

Carsten Hallmann, Bockau

Mittwoch, 19. August | Und Jesus seufzte | Markus 7,31-37

Sommerandachten 2020

>>> Markus 7,31-37

Gedanken eines Menschen, der anders hört und spricht als andere

Jetzt bringen sie mich wieder zu irgendeinem Wunderheiler, einem Gottesmann, einem, der mich gesund machen soll. Gesund machen – weil ich ihnen zu krank bin. Sie reden nicht mit mir, weil ich anders höre als sie. Sie denken, wir können nicht miteinander sprechen, weil meine Worte, meine Laute für sie nicht verständlich sind. Sie denken, ich leide. Sie denken, ich leide darunter, anders zu hören und zu sprechen als die meisten von ihnen. Dabei leide ich darunter, dass für meine Andersartigkeit so wenig Platz ist! Warum muss ich verändert werden? Warum muss ich mich meiner Umwelt anpassen? Warum können die anderen nicht lernen, mit mir umzugehen?

Da ist er – Jesus. Wie oft schon wurden mir die Hände aufgelegt, wie oft schon hat sich nichts verändert!? Ich bin es leid, leid, leid. Dreimal hintereinander.

Speichel in meinem Ohr. Speichel auf meiner Zunge. Speichel Jesu. Mir wird schwindlig. Wie laut es ist! Alle Geräusche der Welt klingen in meinem Kopf, der gleich zerspringt. Mein Kopf schmerzt. Mein Mund zuckt und meine Lippen schwächeln vor den Worten, die sie formen. Meine Zunge bricht zusammen vor den Lauten, die sie malt.

Und jetzt? Was ist jetzt? Wie die anderen sich freuen! Sie reißen ihre Hände in die Luft und jubeln. „Er hat alles wunderbar gemacht! Die Tauben macht er zu Hörenden und die Stummen zu Sprechenden.“ Sie loben Gott: Halleluja! Der Wunderheiler hat tatsächlich ein Wunder getan. Der Gottesmann hat ihn gesund gemacht. So denken sie. Sie denken, ich müsse jetzt fröhlich sein. Ich hätte doch wohl allen Grund dazu. „Freu dich doch! Du bist jetzt gesund!“ Dabei ist mir so schwindlig. Dabei schmerzt mir so sehr der Kopf.

Sie haben keine Ahnung. Sie denken, ich bin gesund geworden, weil Jesus dafür gesorgt hat, dass ich hören und sprechen kann wie sie. Aber Jesus und ich wissen, dass das nicht alles ist. Jesus hat den Himmel für mich aufgeseufzt. Er hat um meinetwillen geseufzt. Gott hat um meinetwillen geseufzt. Gott sieht mich. Gott sieht mich an, wie ich bin. Ich bin ihm gut genug. Dafür hätte ich keine Heilung gebraucht. Dafür hätte Jesus keine Heilung gebraucht. Dafür hätte Gott keine Heilung gebraucht. Aber die Menschen brauchen sie. Sie brauchen eine Ordnung. Sie brauchen Sicherheit. Ob Jesus ihretwegen geseufzt hat?

Marei Glüer, Neukloster


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Die Andachten für die Sommerzeit 2020 wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der  Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens der jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die gedruckte Exemplate der Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben. Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.