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Sommerandachten 2020

Dienstag, 04. August | Alles muss klein beginnen … | Markus 4,30-34

Sommerandachten 2020

>>> Markus 4,30-34

Was kann man schon als Einzelner bewirken? Ich lese und höre Nachrichten, lauter schlechte Dinge, die passieren und gegen die man etwas machen müsste, doch dann ertappe ich mich und stelle mir genau diese Frage. Globale Dinge wie das Klima, der gesellschaftliche Umgang, Frieden oder Gerechtigkeit kann ich als Einzelner wohl kaum beeinflussen oder gar verbessern. Immerhin: Damit bin ich erst einmal raus und muss nichts tun. Regierungen, große Unternehmen und einflussreiche Personen sind hier viel mehr gefragt – eben die Großen und Einflussreichen in der Welt.

Unser Bibeltext heute handelt allerdings von etwas ziemlich Kleinem: einem Senfkorn. Mit ca. 1 mm Durchmesser ist es kaum zu sehen. Doch genau hieraus erwächst eine alle Sträucher überragende Pflanze (welche übrigens kein Baum ist). Alle Erbinformationen sind bereits in diesem kleinen Senfkorn enthalten. Vom verzweigten Wurzelwerk, über den dicken Stängel und die feinen, zarten Blattspitzen bis hin zur gelben Blüte, entsteht alles aus diesem einen Korn. Wird es in guten Boden gepflanzt, erwächst hieraus eine bis zu 3 m hohe Pflanze.

Glaubt man Jesus, so ist es mit dem Reich Gottes ähnlich – es gleicht einem Senfkorn. Und tatsächlich: Nach Jesu Auferstehung begann es ziemlich klein mit nur 12 Jüngern. Doch von da an benötigte es keine großen Wunder von angesehenen, mächtigen Persönlichkeiten, sondern ehrliche Taten hingebungsvoller Nachfolger. Nur, wenn man im Kleinen beginnt, kann daraus etwas Großes erwachsen. Das passt zu Gott: Er handelt stets anders, irgendwie leiser und unscheinbarer, aber keinesfalls weniger wirkungsvoll, als Menschen es erwarten. Sein Sohn kam z.B. in einem Stall zur Welt, Jesu Nachfolger waren einfache Arbeiter, seine Gäste die Geringsten der Gesellschaft, Elia begegnete er nicht im mächtigen Sturm, sondern im Säuseln, David allein war Goliath klar unterlegen und ging doch als Sieger hervor und auch ich als Einzelner bin nicht zu klein oder unbedeutend. Wer sich für Gott auf den Weg macht, tut dies auch mit Gott. Und darauf kommt es letztlich an, denn nur er schenkt Gelingen und Wachstum. Seine Stärke zeigt sich in den Schwachen umso mehr. Und gerade wenn kleine Taten Großes bewirken, zeugt das von seiner Weitsicht. Denn auch viele kleine Steine ergeben am Ende ein großes Bauwerk, allerdings nicht ohne Bauarbeiter. Jede einzelne Tat – auf fruchtbarem Boden – ist Gott für sein Reich wichtig. Dabei ist jeder berufen, mitzubauen. Große Veränderung fängt immer klein an.

Amelie Gerbeth & Chris Krüger, Auerbach/Vogtl.

Montag, 03. August | Gottes Reich mit anderen Augen sehen | Markus 4,26-29

Sommerandachten 2020

>>> Markus 4,26-29

Wann bricht endlich das Reich Gottes an? Das Volk Israel wünscht sich einen Messias, der sie befreit, der Frieden bringt und dass das Reich Gottes endlich anbricht. Daraufhin versucht Jesus, in Kapitel 4, seinen Zuhörern das Reich Gottes zu erklären. Aber wie kann Jesus das Reich Gottes mit einem Bauer und seiner Frucht vergleichen?

Jesus als Sämann hat die Aufgabe, das Reich Gottes zu pflanzen. Gott drängt sich der Welt nicht auf, denn das Reich kommt nicht mit einem lauten Knall oder Blitz, sondern ganz klein und unscheinbar. Das Reich Gottes war am Anfang ganz klein wie ein Samen. Jesus wurde als Mensch in einem Stall geboren. Später hat er einige Jünger berufen und als sein öffentliches Wirken immer bekannter wurde, kamen immer mehr Anhänger dazu. Sein Reich wurde größer. Der Samen ging auf.

Der Bauer schläft und steht auf, Nacht und Tag, der Samen geht auf, doch der Bauer weiß nicht wie. Kümmert sich der Bauer nicht mehr um seinen Samen? Heißt das, dass Jesus nicht weiß, wie sein Reich größer wird? Vers 28 hilft uns hier weiter und kann uns die Gewissheit geben, dass Gott einen Plan hat. Ganz von allein und automatisch geht die Frucht auf. Erst sprießt ein Halm, dann bilden sich Ähren und zum Schluss das Korn. Hier ist also das Wachstum der Saat gemeint. Jesus hat seine Jünger gelehrt und ausgerüstet, damit sie selbstständig und ganz von allein am Reich Gottes weiterbauen können. Jesus ist da und fordert uns heraus, für ihn als Saat seine Botschaft zu verkünden, damit das Reich wächst.

Und wenn dann die Zeit gekommen ist, kommt der Bauer zurück, um seine Frucht zu ernten. Jesus sagt, wenn die Zeit gekommen ist, wird er wiederkommen, um seine Anhänger zu retten. Gottes Reich hat schon angefangen und wenn er wiederkommt, wird das Reich vollendet. Wir dürfen gespannt sein, wie Gottes Reich sich weiterentwickelt, wie es wächst und gedeiht, ganz von allein und ohne unser Zutun. Und auf der anderen Seite liegt es aber auch in unserer Verantwortung, dass das Reich wächst und gedeiht. Wir dürfen in der Gewissheit leben, als Staatsbürger Gottes hier auf der Erde in Gottes Reich zu leben.

HEUTE: Die Welt mit Gottes Augen sehen. Wenn du heute durch deine Stadt läufst, im Bus oder der Straßenbahn sitzt, mit dem Fahrrad oder dem Auto unterwegs bist, versuche deine Welt mal mit Gottes Augen zu sehen. Wie sieht Gott deine Nachbarn? Wie sieht Gott deine Kollegen? Das Reich Gottes ist schon angebrochen. Wir leben darin!

Carina Kirschmer, Referentin im KJW Süd

Sonntag, 02. August | (k)ein Small Talk?!! | Psalm 139

Sommerandachten 2020

>>> Psalm 139

Dieser Psalm ist doch irgendwie herausfordernd: kein frommer, schöner Lobgesang, aber auch irgendwie keine Klage. Der ganze Psalm klingt mehr nach „Small Talk mit Gott“.

Somit sollte es doch ein Leichtes sein, sich in dieser Andacht nur mit einem Teil des Psalmes zu beschäftigen und den Rest zu ignorieren. Einfach die schönen Stellen heraussuchen und schon bin ich fertig.

Doch welche Stelle eignet sich dazu?
Bestimmt nicht die Stelle, dass Gott die Gottlosen töten soll und ich alle, die JHWH hassen, zu meinen Feinden erkläre.

Vers 14 ist da doch viel angenehmer zu lesen.
In ihm preist meine Seele Gott dafür, dass er mich „auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise“ gemacht hat. Doch warum steht das nur so in der Elberfelder Bibel und die Lutherbibel spricht nur von einem „wunderbar gemacht“?

Dann vielleicht doch lieber die Verse 23 bis 24.
Allerdings klingt das Erforschen, „ob ich auf einem bösen Wege bin“ doch sehr nach einer Totalüberwachung. Darüber eine Andacht zu schreiben wäre sicher gruselig.

Moment mal! Dieser überwachende Unterton zieht sich irgendwie durch den größeren Teil des Psalms:
Es gibt keinen Ort, an dem Gott mich nicht findet; sogar in absolute Finsternis sieht er mich, als wäre es taghell. Er ist immer bei mir, ganz gleich ob ich liege, sitze, stehe oder laufe und kennt jede meiner Handlungen – ja sogar meine Gedanken! Warum macht diese Überwachung David keine Angst, sondern bewegt ihn dazu, seinem Schöpfer zu danken?

Irgendetwas habe ich wohl übersehen; also noch mal ganz vom Anfang an.

„Der HERR hat mich erforscht und erkannt.“ – so heißt es sinngemäß im ersten Vers. Danach beginnt schon die Aufzählung der “Überwachung“. Der Ausgangspunkt versteckt sich wohl im „Erforschen und Erkennen“.

Ein forschender Mensch ist auf der Suche nach Erkenntnis – er versucht, den Kern des Erforschten zu verstehen. Wer die Zusammenhänge versteht, hat daher den Kern seiner Forschung erkannt.

Wenn Gott mich erforscht und erkannt hat, so versteht er mich absolut und uneingeschränkt. Das geht so weit, dass er meinen angefangenen Satz beenden kann, weil er weiß, was ich sagen will. Er versteht mich quasi auch ohne Worte.

Diese Art des wortlosen Verstehens kennen wir vielleicht von unserer Familie oder von (sehr) guten Freunden. Gott ist für David der beste Freund, den es gibt. Deshalb kann er auch die dunklen Stellen seines Herzens nicht vor seinem besten Freund verheimlichen. Er bittet Gott darum, seine Emotionen und Gedanken des Hasses zu durchleuchten und ihm dann zu antworten, ob diese dunklen Stellen seiner Seele ihn dazu verleiten, einen eigenen, gottlosen Weg einzuschlagen. Denn dies möchte David auf keinen Fall, sondern dem Weg folgen, der in Gottes Ewigkeit führt.

Irgendwie habe ich nicht mehr das Gefühl, das der Psalm ein bisschen Small Talk ist, irgendwie ist er das komplette Gegenteil: ein tiefgründiger Austausch zwischen zwei guten Freunden.

Kennst Du auch schon solch eine tiefe Freundschaft mit Gott?

Marcel Neubert, Schönheide

Samstag, 01. August | Weil Jesus es wert ist … | Markus 4,21-25

Sommerandachten 2020

>>> Markus 4,21-25

Der Text, den du heute liest, hat mich in meiner Vorbereitung ganz schön herausgefordert. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Jesus noch mehr in Rätseln spricht, als er es sonst schon tut. Aber warum spricht er so rätselhaft?

Tja, Jesus erzählt eben von einem großen Geheimnis, nämlich der Botschaft, dass er der Messias, der Retter der Menschen, ist. Das war zu seinen Lebzeiten noch nicht wirklich klar für die Menschen. Aber heute ist das ja alles anders, heute wissen wir das doch eigentlich alles … zumindest denken wir das. Naja gut, vielleicht gibt es da noch so ein paar Ecken in der Welt, die noch nichts von der Botschaft Jesu gehört haben, aber hier in Deutschland wissen das ja alle. Doch die Realität sieht anders aus. Viele wissen zwar so grob, wer Jesus ist und was er getan hat, aber was wirklich dahinter steckt und was die ganze Geschichte mit ihrem Leben zu tun hat, das ist den meisten nicht klar.

Der heutige Text spricht von einem Licht, das man auf einen Leuchter stellen soll, sodass es strahlt. Klingt irgendwie logisch. Das Licht soll dazu verhelfen, dass die Menschen um es herum klarer sehen. Klingt irgendwie ebenfalls logisch. Wenn das doch eigentlich alles so logisch ist, warum stellen wir dann in unserem Alltag nicht das Licht des Evangeliums auf unseren Leuchter und helfen dadurch den Menschen um uns herum, klarer zu sehen? Warum helfen wir ihnen nicht, zu verstehen, wer Jesus war und immer noch ist, was er für dich und mich am Kreuz getan hat, was das für eine Auswirkung auf unser Leben hat und dass er seine Geschichte noch lange nicht fertig geschrieben hat. Denn es gibt noch ein weiteres Geheimnis: sein zweites Kommen. Bis dahin ist es doch unser Auftrag, in die Welt zu gehen und Jesus unter den Menschen bekannt zu machen (Mt 28,18-20).
Vers 25 deutet an, dass dem, der die gute Nachricht von Jesus hört und sie für sich annimmt, noch mehr gegeben wird. Nochmal zusätzliche Motivation, den Menschen von Jesus zu erzählen.

Doch was sind schon unsere Worte, wenn unser Handeln nicht mit dem, was wir sagen, übereinstimmt? Die Menschen werden sich oft nicht an all unsere Worte erinnern, aber die Menschen erinnern sich meistens an die Art, wie eine Person sich verhalten hat. Redest du gut über deine Mitmenschen? Hältst du, was du versprichst? Vergibst du anderen? Bist du ehrlich?

Die Art, wie du dich verhältst, muss mit dem zusammenpassen, was du verkündigst. Sonst werden die Menschen mit Jesus nicht einen liebevollen, hilfsbereiten und guten Menschen verbinden, sondern vielleicht den Menschen, der ihnen das Leben oft schwer gemacht hat. Dein Leben ist sozusagen Werbung für Jesus und du entscheidest, ob sie gut und überzeugend ist oder ob sie abschreckt. Auch den Jüngern wird in Vers 24 schon nahegelegt, dass ihr Verhalten, neben ihrem Verkündigungsauftrag, Relevanz hat.

Ich möchte dich deshalb motivieren, dass du das Licht des Evangeliums auf deinen Leuchter stellst und Jesus mit deinem Leben in der Welt verkündest – sowohl in Wort, als auch in Tat. Warum? Weil es unser aller, und somit auch dein Auftrag ist … und weil die Botschaft Jesu es absolut wert ist, gehört zu werden.

Wiebke Trommer, Wölmersen

Freitag, 31. Juli | Der Glaube ist das Codewort | Markus 4,10-20

Sommerandachten 2020

>>> Markus 4,10-20

Markus würde sich freuen. Wenn du den Bibeltext für heute gelesen hast, dann wäre Markus sehr stolz auf dich und würde dir gleich den wichtigsten Satz noch mal sagen: „Dir (euch) ist das Geheimnis vom Reich Gottes enthüllt.“ Du kennst nämlich die ganze Geschichte von Jesus. Nicht nur die wunderbaren Dinge, die Jesus getan hat, sondern du weißt auch, dass er gestorben und auferstanden ist. Damit hast du die richtige Sicht auf die Dinge. Wer nur auf die Wunder und die Heilungen Jesu schaut, hört mit offenen Ohren und versteht nichts, der sieht mit offenen Augen und erkennt doch nichts.

Aber warum war das für Markus, den Autor des Evangeliums, so wichtig? Weil er das Leben Jesu aufgeschrieben hat, damit diejenigen, die es lesen, zum Glauben kommen. Er wollte, dass sie durch die Texte und Botschaften reiche Frucht bringen und übertragen gesehen, so etwas wie guter Boden werden. (Wer will schon als Strohfeuer oder Geizhals gelten :))

Was ich aber nun spannend finde, ist die Überlegung: Was bedeutet es, dass ich erst dann das Geheimnis vom Reich Gottes verstehen kann, wenn ich dabei daran denke, dass Jesus gestorben und auferstanden ist? Folgende Gedanken sind mir dabei gekommen:

  • Das Reich Gottes gibt es nur unter Einsatz des Lebens. Nur mit der Erfahrung des Todes (Dunkelheit) kann ich auch das Reich Gottes (Licht) erkennen. (Zum Glück hat Jesus die Erfahrung des Todes für mich gemacht, damit ich nicht selbst erst sterben muss, um das Reich Gottes sehen zu können).
  • Nur der Glaube kann das Reich Gottes überhaupt erkennen. Und Glaube an Jesus Christus kann erst entstehen, weil Jesus lebendig ist (nach Tod und Auferstehung).
  • Der Glaube ist das Codewort, um überhaupt zu begreifen, was Markus über Jesus erzählt. Sonst wäre Jesus ein interessanter Mensch, aber hätte mit mir nichts zu tun.
  • Nur wenn ich als gläubiger Mensch in die Welt schaue, dann kann ich das Reich Gottes hier und da schon erblicken. Ohne das Wissen, dass Gottes Reich auf Erden schon zu finden ist, erlebe ich vielleicht besondere Momente, aber mehr sind sie nicht.

 

Was will ich mir nun aus diesem Text von Markus für den Tag heute mitnehmen?

  • Zuerst lese ich eine Ermutigung: Es könnte sein, dass ich, die ich glaube, heute hier oder dort einen Funken von Gottes Reich erkennen könnte, der meinen Alltag mit einem Lichtstrahl freundlich macht.
  • Und dann ist da noch eine Aufgabe: Das, was ich von Gott weiß, soll bei mir auf guten Boden fallen und Frucht bringen – also bestimmend sein, bei dem, was ich tue. Ob ich das in manchen Momenten heute hinbekomme?

Verona Lasch, Zwickau

Donnerstag, 30. Juli | Der Boden unseres Glaubens | Markus 4,1-9

Sommerandachten 2020

>>> Markus 4,1-9

Diese Geschichte beschreibt im Prinzip viele unterschiedliche Glaubensschicksale/-biografien. Zumindest verstehe ich so die Deutung Jesu (Verse 14-20).

Also sind die Saaten, die am Wegesrand landen, die, die vom Teufel verführt werden und so ihren Glauben verlieren (Vers 15). Die auf felsigen Boden gesäten verlieren ihren Glauben relativ schnell, sobald sie die ersten Zweifel oder Probleme bekommen (Vers 16+17). Die, die unter den Dornen ersticken, werden von der Welt und ihren Sorgen und Versuchungen erstickt (Vers 18+19). Aber die, die in die fruchtbare Erde gesät werden, können in ihrem Glauben wachsen und ihn auch weitergeben. „Der Sämann sät das Wort.“ (Vers 14 nach der Lutherbibel 2017) So beschreibt Jesus ganz am Anfang seiner Deutung den Sämann. Was das genau bedeutet, ist aber nicht klar. Also ob es dabei um Gott selbst geht oder ob der Sämann jemand ist, der dir von Gott und vom Glauben erzählt, der sozusagen seinen eigenen Glauben weitergeben will. So oder so scheint auch er relativ machtlos zu sein in diesem Gleichnis, denn für die Bodenbeschaffenheit kann er so gesehen ja nichts.

Alles in allem klingt diese Deutung ziemlich deprimierend. Denn man könnte das ja so verstehen, dass jeder von uns schon vorgegeben bekommen hat, ob er oder sie später mal fest im Glauben steht, oder ob er oder sie seinen Glauben verlieren wird.

Doch so hoffnungslos möchte ich diesen Text eigentlich nicht verstehen. Denn das würde ja bedeuten, dass wir ziemlich machtlos sind, und Gott schon vorher entscheidet, ob wir immer weiter an ihn glauben, und dass wir daran nichts ändern können. Ich hoffe und glaube, dass wir an unserem eigenen Boden etwas verändern können. Dass wir sozusagen daran arbeiten können, dass unser Glaube Wurzeln schlägt. Also kann selbst ein Mensch, der von Grund auf eigentlich nicht die besten Voraussetzungen für den Glauben hat, weil er zum Beispiel sich schnell ablenken lässt von anderen, irdischen Dingen, diesen Ablenkungen trotzen und mehr Energie darein stecken, was ihm oder ihr einen fruchtbaren Boden für den Glauben schenken kann.

Aber wie kann das funktionieren? Was sind diese Dinge, die unseren Glauben Wurzeln schlagen lassen? Was bietet unserem Glauben einen starken Boden, der Raum für Wurzeln lässt?
Hier ein paar Ideen:

  1. Versuche, Gott in deinem täglichen Leben Raum zu lassen. Du kannst beispielsweise beten, Musik machen oder hören, die du mit deinem Glauben verbindest oder auch in der Bibel lesen. Erzähle Gott, was dich bedrückt, was dir Freude bereitet und/oder was du dir wünschst.
  2. Versuche, gerade in dieser Zeit dich nicht von irdischen Dingen wie deinem Handy oder ähnlichem abzulenken. Schalte es einfach auf stumm oder gehe sogar offline, lege das Handy mal aus der Hand.
  3. Sprich mit anderen über deine Fortschritte, deine Zweifel, alles, was irgendwie mit deinem Glauben zu tun hat. Die Gemeinschaft trägt, egal ob die Person noch erfahrener ist oder am selben Punkt steht wie du.
  4. Tue Gutes. Ob es Kleinigkeiten wie den Eltern beim Abwasch oder ähnlichem helfen oder sogar größere Dinge wie Ehrenämter sind – Gott freut sich darüber und dir selbst tut es auch gut.

Natürlich musst du dich an keinen dieser Vorschläge halten, es sind geschriebene Ideen, die vielleicht helfen können. Du kannst dir natürlich auch eigene Ideen überlegen.
Viel Erfolg dir dabei!

Sophia Steinbacher, Moritzburg

Mittwoch, 29. Juli | Hirngespinste | Micha 7,8-20

Sommerandachten 2020

>>> Micha 7,8-20

»Schulden sind ja nix Reales, also weißt du, wie ein Haus, oder `ne Käsestulle. Sondern sind ja nur `ne Absprache, sind nur im Kopf, verstehste?«
»Hm.«
»Kuck«, sagt das Känguru. »Ich schulde dir noch 4,95.«
»Für die Wasserpistole, die Science-Fiction-Geräusche macht?«
»Ja, für die Wasserpistole, die Science-Fiction-Geräusche macht.«
»Piu, Piu, Piu« imitiere ich einem seltsamen Impuls folgend die Geräusche.
»Und jetzt tun wir beide einfach so, als würde ich dir nix schulden«, sagt das Känguru. »Und Piu, Piu, Piu. Jetzt schulde ich dir nichts mehr.«„
(aus Marc-Uwe Kling: „Die Känguru-Chroniken“ 21. aktualisierte und überarbeitete Auflage 2013)

Diese Textpassage ging mir durch den Kopf, als ich die Verse 18ff. vom heutigen Bibeltext las. Irgendwie stimmt es ja, Schuld ist nichts Greifbares, sie ist nur in unseren Köpfen. Wobei es natürlich noch einen himmelweiten Unterschied gibt zwischen Schulden auf dem Konto und dem geistlichen Begriff der Schuld, hervorgerufen durch Sünde. Da ist mit Blick auf die Welt Michas Frage: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils?“ durchaus berechtigt. Es gibt keine Bank, die aus lauter Dumdiedeldei einen gerade aufgenommenen Kredit als abbezahlt verbucht. Es gibt keinen Richter, der einen Häftling freilässt, weil er „Gefallen an Gnade“ hat und er ihm vergibt. Und das muss ja auch gar nicht so sein, denn wie Paulus in Römer 13 schreibt, sollen wir der staatlichen Gewalt untertan sein, da auch sie von Gott eingesetzt ist. Aber Gott, als der, der sie eingesetzt hat, ist die höchste Instanz.

Er ist niemandem unterstellt und das heißt, er kann Schulden erlassen, wie es ihm gefällt. Und wie das aussieht, verrät uns Vers 19: „Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünde in die Tiefen des Meeres werfen.“ Dabei ist Schuld vor Gott so viel schlimmer als Schulden auf der Bank. Wenn man Schuld vor Gott hat, dann weil man jemandem tatsächlichen körperlichen oder seelischen Schaden zugefügt hat und das kann nicht anders beglichen werden als durch Vergebung.

Egal, ob es sich nun um Schuld vor Gott, oder Schuld vor den Menschen handelt: Ich möchte uns heute ermutigen, wie es das Känguru gesagt hat: „So zu tun als gäbe es keine Schuld.“ Das ist gar nicht so schwer, wie man denkt. Wenn man jemandem Geld leiht, nicht auf jeden Cent zu bestehen, stattdessen einfach mal etwas erlassen. Und Menschen, die uns verletzen zu vergeben, denn Gott tut es auch. Schulden zu erlassen, ganz gleich, welcher Natur sie sind, macht Menschen stutzig, weil sie es nicht erwarten. Denn Schulderlass ist nichts Menschliches, es ist ein Stück Himmel auf Erden.

Simon Kühlein, Rotschau


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Die Andachten für die Sommerzeit 2020 wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der  Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens der jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die gedruckte Exemplate der Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben. Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.