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Sommerandachten 2020

Dienstag, 30. Juni | Rebellion |1. Könige 11,26-43

Sommerandachten 2020

>>> 1. Könige 11,26-43

Heute geht es ja ordentlich zur Sache. Die Story könnte sicher als Kinofilm oder Serie verfilmt werden. Nochmal eine kleine Kurzfassung der heutigen Erzählung: unser Hauptcharakter ist Jerobeam. Dieser tüchtige Kerl machte unter Salomo Karriere. Er traf sich nun offensichtlich heimlich mit dem Propheten Ahija. Bei ihrem Treffen verkündete Ahija im Namen Gottes, dass er, Jerobeam, zehn der zwölf Stämme Israel erhalten soll. Rebellion gegen den amtierenden König. Darin steckt alles, was eine moderne, spannende Serie zu bieten hat: Karriere, Beziehungen, Spannung, Heimlichkeit, Aufstand, Rebellion! Von diesen Zusagen hat Salomo Wind bekommen. Natürlich Verrat in seinen Augen. Um seinen Thron zu erhalten, muss Jerobeam getötet werden. Doch er kann nach Ägypten fliehen. Wir können in den Zeilen nur erahnen, wie es in der Zeit zur Sache ging. Sicher nicht einfach für alle Beteiligten. Von der großartigen Zusage des Propheten bis hin zum Leben in einem anderen Land, mit einer andere Kultur, Sprache und Göttern. Am Ende lesen wir, dass Davids Geschlecht weiterhin Gottes Zusage erhält, aber stark beschränkt wird.

Wie es weitergeht, werden wir die nächsten Tage sehen. Es bleibt spannend!
War euch bewusst, dass der große Salomo, Nachfolger König Davids, dieses Ende nimmt? Mir jedenfalls nicht. Gott wendet sich durch den Propheten gegen das Geschlecht Davids. Salomo ist nach seinem guten Start auf Abwege geraten. Doch Gott lässt Davids Familie und Zusagen nicht fallen, er gesteht Jerusalem weiterhin Salomos Nachkommen zu. Das hat die Spaltung des Volkes Israel zur Folge. Die 12 Stämme sind nicht mehr vereint. David war auch ein König mit seinen persönlichen Schwächen und Verfehlungen, doch er sah seine Missetaten und schwierigen Entscheidungen immer ein. Er kehrte um zu Gott und reflektierte sein Handeln. Salomo wurde offensichtlich bequem, seine Frauen hatten verschiedene Götter mitgebracht und er wandte sich von Gott ab. Er schaffte es nicht, umzukehren und seine Taten zu reflektieren. Die Konsequenzen müssen seine Nachkommen ausbaden. Wir lesen nichts davon, dass Salomo umkehrte oder sein Handeln mit Gott reflektierte.

Wie ist das bei dir? Reflektierst du dein Handeln und Denken? Reflektierst du deinen Glauben und wie er sich entwickelt? Hast du andere Menschen mit denen du über dich und deinen Glauben und auch über deine Zweifel reden kannst? Unser Glaube ist in stetigem Wandel. Fragen und Zweifel, stellen ihn immer wieder auf die Probe und sind vor allem auch immer eine Chance. Herausforderungen zeigen meist erst im Nachhinein, wie wir in ihnen wachsen können. Manchmal können uns Bibelstellen zum Kopfschütteln bringen. Auch andere Christen mit andern Moral- und Wertvorstellungen können unseren Glauben herausfordern. Die Auseinandersetzung mit unserem Gott durch verschiedene Einflüsse bewegt uns. Lass dich auf Veränderung ein und bleibe in deinem Glauben nicht stehen.

David Morgenroth, Dresden

Montag, 29. Juni | Hast Du davon gewusst? |1. Könige 11,1-13

Sommerandachten 2020

>>> 1. Könige 11,1-13

Salomo hat Fehler gemacht. Ihm ist der Erfolg zu Kopf gestiegen, hat ihm den Kopf verdreht und ihn von Gott entfernt. Gott lässt das nicht so stehen. Er zieht seine Konsequenzen. Aber nicht sofort. Salomo lebt aus den guten Konsequenzen seines Vaters David. David, der nach dem Willen Gottes gehandelt hat (also meistens). Die Kinder und Enkel Salomos trifft es da schlechter. Auch sie müssen mit den Konsequenzen leben, die ihnen ihr Vater beschert hat.

So ist das im Leben. Unser Tun zieht Konsequenzen nach sich. Das war bei David so, bei Salomo und das ist auch heute so.

Ich sehe mich noch in Gotha auf einem riesigen Bahnhofsvorplatz stehen. Eine Stadt, die sich rühmte, die erste zu sein, die judenfrei war. Und heute? Eine leere Stadt, die ihrer Kultur- und Bildungsschicht beraubt wurde und deren Konsequenzen schon lange sichtbar sind.

Ich sehe mich jeden Dienstag von überfüllten gelben Tonnen umgeben und frage mich: Wann gibt es den ersten Unverpacktladen in Zwickau?
Ich sehe mich selbst bei senkender Hitze in einer Autokarossenkolonne auf der Autobahn und frage mich: Wie kann unser Planet dem standhalten?

Haben unsere Großeltern davon gewusst, was mit den Juden, den Homosexuellen und den Widerstandskämpfern passierte? Was machen wir mit dem Wissen und Nichtwissen?

Provozieren wir einen Generationenkonflikt, sind unverständig und wütend oder ziehen wir für uns die Konsequenzen, die es den uns nachfolgenden Generationen ermöglich, weiterhin gut und in Frieden zu leben?

Ich bin sicher, dass wir die gleiche Wut zu spüren bekommen und in die gleichen Konflikte mit unseren Kindern und Enkeln geraten, wenn wir weiterhin so leben. Dann sind wir es, die gefragt werden: Hast Du gewusst, dass im Meer die Tiere an den Plastiktüten ersticken? Hast Du gewusst, dass eine Zigarettenkippe in der Natur mehr als 15 Jahre braucht, um zu verrotten? Hast Du gewusst, was das Billigfleisch anrichtet?

Dieser Text heute gibt mir zu denken und lässt mich fragen: Wie kann ich nach dem Willen Gottes leben? Wo kann ich das Meine tun, damit die Konsequenzen sich zum Positiven wenden?

Pastorin Christine Meyer-Seifert, Zwickau

Sonntag, 28. Juni | Der Spiegel des Vergessens | Psalm 106,1-23

Sommerandachten 2020

>>> Psalm 106,1-23

Psalmen sind vor vielen hunderten Jahren in Form gegossene Gebete, die für jede Gelegenheit Worte bieten können. Vor allem dann, wenn uns selbst die Worte zum Beten fehlen. Aber der Psalm 106 richtet sich nicht nur im Gebet an Gott, sondern hält uns selbst als Betenden einen Spiegel vor: Schnell vergessen wir die Situationen, in denen Gott uns geholfen hat. Schnell überschauen wir all das Gute, das Gott uns schenkt: Familie, Freunde und Freundinnen, Essen, Trinken, eine warme Wohnung, Kleidung, Halt im Glauben und und und.

In den Momenten, in denen wir Gottes Wirken in unserem Leben gerade nicht so spüren, brauchen wir Unterstützung. Dann brauchen wir jemanden, der uns Mut macht und manchmal sogar für uns mit glaubt. So wie Mose bei Gott ein gutes Wort für das Volk Israel einlegen musste, als sie sich von ihm abgewendet hatten (Vers 23). Und manchmal können wir für jemanden dieser Mensch sein, der an Gott und das Gute erinnert. Jemand, der keine Moralpredigten hält, sondern der zuhört, Mut macht und Gottes Liebe ins Gespräch bringt.

Eine andere Möglichkeit, Gottes gutes Wirken im Alltag nicht aus den Augen zu verlieren, kann ein Erinnerungsglas sein. Hier eine kleine Bastelanleitung:

  • Ihr nehmt euch ein schönes Schraubglas und verziert es mit Glasstiften, Washi Tape, buntem Band, ...
  • Für die nächsten zwei Wochen nehmt ihr euch jeden Abend drei Minuten Zeit, um zu überlegen, ob an dem vergangenen Tag etwas Schönes passiert ist oder ihr Gottes Hilfe gespürt habt.
  • Das schreibt ihr auf einen Zettel und steckt ihn in das Schraubglas.
  • Schaut nach den zwei Wochen mal nach, was sich alles angesammelt hat – und vielleicht möchtet ihr euer Gedächtnisglas ja sogar noch über den Sommer fortführen.

Und vielleicht ist es euch dann danach, zu beten, wie schon viele Menschen vor euch zu Gott gerufen haben: „Halleluja! Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Wer kann die großen Taten des HERRN alle erzählen und sein Lob genug verkündigen?“ (Vers 1-2)

Sarah Schulz, Zwickau

Samstag, 27. Juni | Das Nifflerparadies | 1. Könige 10,14-29

Sommerandachten 2020

>>> 1. Könige 10,14-29

So wie Salomons Reichtum beschrieben wird – wie in einem unfassbaren Märchen! Aber ich kann nur an eines denken… Was für ein Paradies Salomons Schloss für einen Niffler wäre!

Wer nicht weiß, was ein Niffler ist, was habt ihr die letzten Jahre gemacht?! Ein Niffler ist ein Wesen aus dem Harry Potter Universum und noch spezifischer aus dem Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“. Es sieht aus wie eine Kreuzung aus einem Schnabeltier und einem Maulwurf mit einem Kängurubeutel. Es ist unfassbar niedlich und wäre das ideale Haustier, wenn es nicht ein unbekehrbarer Dieb wäre. Nichts wirkt anziehender auf Niffler als Dinge, die golden sind und glänzen und alles was es in dieser Richtung in die Pfoten bekommt, stopft der Niffler in seinen Beutel und ist selig. Da wäre ein Palast, in dem jährlich 24 Tonnen Gold eintreffen, Himmel auf Erden. Es würde rumflitzen und seinen Beutel vollstopfen mit Münzen, goldüberzogenen Bechern und allerlei Klimbim und höchst wahrscheinlich würde es versuchen, da noch ein goldüberzogenes Langschild mitunterzubringen.

Die Welt Salomons ist unfassbar dekadent. Gold, Waffen, Streitwagen und Pferde – so viel, dass gar nicht alles im Palast untergebracht werden kann und ein Teil ausgelagert wird. Salomon wird von allen Seiten mit Reichtum beschenkt. Dabei hat er am Anfang seiner Königszeit, als Gott ihn in einem Traum gefragt hat, was er sich wünscht, geantwortet, dass er Weisheit von Gott möchte, um ein guter König zu sein. Den Reichtum und das Ansehen in aller Welt gibt Gott oben drauf. Da wird das Ganze nicht nur zu einem Nifflerparadies, sondern wahrscheinlich auch zu unserem. Wäre es nicht schön, wenn Gott jeden, den er mag, also uns, zu den frommen Wünschen, die wir haben, noch einen Lottogewinn obendrauf legen würde? Tatsächlich galt in den Zeiten des Alten Testaments Wohlstand als auch Kinderreichtum als Zeichen dafür, dass Gott einem wohlgefällig ist, eine Vorstellung, der Jesus entgegengetreten ist. Aber immerhin kam Salomons Reichtum nicht nur Salomon zugute, sondern ganz Israel, welches unter Salomon eine Blütezeit durch seine guten Wirtschaftsbeziehungen zu den Nachbarvölkern erlebt hat.

Darauf, dass Gott uns mit Geld überschüttet, können wir nicht bauen, aber eine interessante Frage wirft die Frage von unendlichen Geldquellen trotzdem auf. Stell dir vor, du hättest deinen eigenen Niffler, der dir aus seinem Beutel immer genug Geld zur Verfügung stellen könnte. Was würdest du dann tun? Was würdest du mit deinem Leben tun, wenn du nicht Geld verdienen müsstest? Darüber lohnt es sich nachzudenken! Denn die Antwort ist auch die Antwort auf die Frage, was würdest du mit deinem Leben tun, wenn du dich ganz frei entfalten könntest? Welche Bedürfnisse wären abgedeckt? Welche Fähigkeiten würdest du ausbauen? Und vielleicht stellst du bei der Antwort dieser Frage fest, dass du das eine oder andere auch ohne viel Geld beziehungsweise mit den dir zur Verfügung stehenden Mitteln erreichen kannst. Nimm dir Zeit mit Gott über das zu sprechen, was du bei diesem Gedankenexperiment entdeckt hast.

Claire Hamer, Jugendreferentin München

Freitag, 26. Juni | Legendär … | 1. Könige 10,1-13

Sommerandachten 2020

>>> 1. Könige 10,1-13

Die Königin von Saba ist sagenumwoben. Sie findet in allen drei Schriftreligionen Erwähnung. Und ihr Besuch bei Salomo spielt auch in äthiopischen Legenden eine wichtige Rolle. Die Königin soll nämlich nicht nur Geschenke, sondern auch ein Kind von Salomo bekommen haben. Ihr Sohn Menelik wurde Stammvater der Salomonischen Dynastie, die von 1270 bis 1973 in Äthiopien herrschte. Ihr letzter Nachfahre wird von den Rastafari als Messias verehrt.

Verwirrend? Ja und ob!
In der Bibel bekommt sie keinen Namen, wird einfach „Königin von Saba“ oder „des Südens“ genannt. Der Koran nennt sie „Bilqis“, im Äthiopischen heißt sie „Makeda“. Archäologisch aber ist ihre Existenz nicht nachzuweisen. Auch wenn ausgegrabene Grundmauern einer Tempelanlage in Aksum vor wenigen Jahren ihr zugeschrieben wurden. Alles höchst umstritten. Auch liegt Saba weit entfernt von Äthiopien.

Genauso wirbelt die Archäologie auch die biblischen Vorstellungen von Salomo durcheinander. Er findet außerhalb der Bibel keine Erwähnung. Was also soll ich mit dieser Geschichte anfangen? Sie ist doch in weiten Teilen – wenn nicht ganz und gar – nur ausgedacht!

Und?
Die Erzählung handelt von einer intelligenten, mächtigen und reichen Frau, die von einem ebenso intelligenten, mächtigen und reichen Mann erfährt. Und sie macht sich auf den Weg, ihn zu besuchen. Obwohl sie alles hatte, was sie wollte, hat sie ihr Interesse für Neues nicht verloren. Wie ist das mit mir? Interessiere ich mich noch für Andere? Oder bin ich mit meinem Wissen schon zufrieden?

Sie kommt zu Salomo. Der stellt sein Wissen unter Beweis und sein Palast und Reichtum sind noch größer, als sie das gedacht hatte. Und sie sagt das ganz offen und anerkennend. Wie ist das bei mir? Kann ich neidlos Dinge anerkennen, die andere haben? Oder suche ich dann krampfhaft etwas, das ich besser kann, cooler fände oder selbst habe?

Die Königin geht noch einen Schritt weiter. Sie sagt, dass Gott wirklich toll ist und Salomo ein guter König. Dennoch ändert sie nicht – anders als im Koran – ihren Glauben. Wie ist das mit mir? Kann ich die Kultur Anderer, ihre Art zu Glauben und zu Denken stehen lassen? Vollkommen gleichberechtigt neben mir?

Das kann, darf und will ich aus dieser Geschichte mitnehmen: Interesse für Andere, Freude für und mit Anderen, Respekt und Toleranz gegenüber Anderen. Das gilt über Religions-, Geschlechts-, Weltanschauungs- und Landesgrenzen hinweg!

Benjamin Huth, Berlin Friedrichshain

Donnerstag, 25. Juni | Dankbar | 1. Könige 9,1-9

Sommerandachten 2020

>>> 1. Könige 9,1-9

PUH! Ein schwerer Text. Darüber werde ich mit meinem Nachdenken vermutlich nicht zu Ende kommen. Ich werde wohl stetig mich an den Worten, an den Aussagen reiben.
Menschlich gesehen ist das nur zu verständlich. Wer will denn untreuen, sich abwendenden Freuden immer wieder nachlaufen und sich zur „Witzfigur“ machen? So komme ich dem Text vielleicht nicht näher…

Mir fällt ein, dass ich mit dem Heidelberger Katechismus aufgewachsen bin. Was´n das? Ein Buch mit 150 Fragen zum Glauben und mit Antworten dazu. Es wird im kirchlichen Unterricht der evangelisch – reformierten Kirche genutzt. Aus der stamme ich. Manche Fragen und Antworten kann ich wirklich auswendig. Doch was mich am meisten berührt, ist der Aufbau. Nein, keine Ausarbeitung erwartet Dich. Nur das:

Die Frage nach Gottes Geboten steht fast am Ende des Buches – unter Nummer 103. Vorher geht es um Gottes Rettung an uns, um Seine Liebe, um die Gemeinde … Erst gegen Ende kommt das Fragebuch auch zu den Geboten, die wir alle kennen – auswendig oder nicht. Und die Überschrift dort ist „Von der Dankbarkeit“. Von daher denke ich zu unserem heutigen Text Folgendes:

Wenn ich bedenke, was Gott mir geschenkt hat, mir Gutes tut, mir täglich zukommen lässt, wie kann ich mich da abwenden? Daraus kann doch nur folgen, dass ich dankbar in Seiner Freundschaft lebe und unterwegs bin. Oder? Dann aber wäre der heutige Text vielleicht eine deutliche Erinnerung, sich an das Geschenkte zu erinnern und es nicht aus den Augen zu verlieren …

Von daher wünsche ich Dir heute einen dankbaren Tag und biete folgenden Tipp: Schreib doch ein Dankbarkeitsbuch – eine Art Tagebuch, wo Du jeden Abend drei Dinge festhältst, für die Du dankbar bist.

Und falls es schwer wird mit Gott, baut Dich Deine Erinnerungsliste vielleicht wieder auf.

Das wünsche ich Dir jedenfalls von Herzen.

Beate Klähn-Egbers, Hamburg

Mittwoch, 24. Juni | Gott in der Handtasche | 1. Könige 8,54-66

Sommerandachten 2020

>>> 1. Könige 8,54-66

Ich bin eine moderne Nomadin. Von meinem Job aus muss ich sehr regelmäßig durch Europa reisen und sitze also oft stundenlang im Zug. Mir macht das viel Spaß: Die vorbeiziehende Landschaft, die ruhige Vorbereitung auf meine Termine und die viele Zeit zum Nachdenken. Meine stetige Reisebegleiterin ist dabei meine Klapptasche mit Stiften, Laptop und Notizheft. Mit dabei ist auch immer eine Bibelausgabe. Nicht, weil ich eine ausdauernde Bibelleserin wäre (das meiste von meinem Bibelwissen kommt aus der Sonntagsschule und dem Reliunterricht), sondern weil sie super winzig ist und einen dunkelblauen Glitzereinband hat! Ich liebe diesen Einband und dass diese Bibel kaum größer als meine Handinnenfläche ist! Und weil mir diese Bibel so gut gefällt, lese ich auch regelmäßig die ein oder andere Geschichte daraus. So habe ich Gott und das, was er uns sagen will auf all meinen Reisen dabei.

Mich erinnert das an die Situation der Israeliten vor dem Tempelbau in Israel. Sie waren auch dauernd unterwegs, nicht nur alle paar Wochen wie ich, sondern ihr ganzes Leben, so wie das die wenigen nomadischen Völker unserer Welt noch heute machen. Mit dabei war auch bei ihnen immer Gottes Wort auf den Steinplatten, die Mose von Gott bekommen hatte. Also nicht in so handlicher Form wie in meiner Minibibel, aber immerhin vermutlich auch ziemlich glitzernd, nämlich in der reich verzierten Bundeslade. Ich finde, dass die Tatsache, dass sie diese Bundeslade mit den schweren Steinplatten viele Jahre lang durch die Wüste mit sich getragen haben, ein Beweis ist wie wichtig ihnen Gottes Wort war! Ich kann allerdings auch ihre Sehnsucht nach einem richtigen Ort für ihr Heiligtum verstehen, nach einem Platz, der vielleicht angemessener für so einen Schatz scheint als ein Zelt. Ein solcher Ort ist der Tempel Salomos: Riesig, prächtig, wunderschön und das Zentrum ihrer eigenen neuen Heimat Israel. Klar, dass die Israeliten es bei der Einweihung dieses lang ersehnten Tempels so richtig krachen lassen! Menschen aus dem ganzen Land feiern, essen, trinken und opfern zusammen, ein absolut gigantischer Gottesdienst! Endlich hat Gott und damit auch die Israeliten ein Zuhause!

Für mich ist Kirche heute etwas ganz Ähnliches: Ein fester Ort, an dem ich Gott begegnen kann, wo ich mich ganz auf ihn konzentrieren kann und wo ich ihn und seine wunderbare Botschaft feiern kann. Und weil ich das wie die Israeliten mit anderen Menschen zusammen mache, ist meine Kirche, das Gebäude genau wie die weltweite Methodistische Kirche auch ein Zuhause für mich. Hier treffe ich Leute, die ähnlich ticken wie ich, finde Ruhe im Chaos meines Lebens und spüre Gott in meiner Nähe.

Natürlich ist Gott nicht nur in der Kirche, genauso wie er damals nicht nur im Tempel zu finden war. Ich kann ihm genauso in U-Bahnstationen, Wohnzimmern und Parks begegnen, aber eine Kirche oder damals der Tempel ist eben nur für Gott allein bestimmt, hier kann ich mich persönlich oft ein bisschen besser auf ihn einlassen und auf das hören, was er mir sagen will.

Ante von Postel, Berlin

 


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Die Andachten für die Sommerzeit 2020 wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der  Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens der jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die gedruckte Exemplate der Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben. Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.