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Sommerandachten 2021

Montag, 05. Juli | Zur richtigen Zeit am richtigen Ort | Apg 16, 6-15

Sommerandachten 2021

Apg 16, 6-15

Wer schon mal in den Apostelgeschichten in der Bibel geblättert hat, wird feststellen, dass Paulus auf seinen drei Missionsreisen durch allerhand Städte und Dörfer gekommen ist. Um einen verhältnismäßig kleinen Ausschnitt der zweiten Missionsreise geht es heute in dem Bibeltext, genauer gesagt um die Reise von der Hafenstadt Troas nach Philippi in Mazedonien.

Paulus hatte in der Hafenstadt in der Nacht eine Vision und ihm wurde gesagt, dass er unbedingt nach Mazedonien muss, dort würden Menschen seine Hilfe brauchen. Und so schnell sie konnten, begaben sie sich nach Philippi. Am Morgen des Sabbats gingen Paulus und seine Begleiter an ein Flussufer nahe der Stadt, wo sie eine jüdische Gebetsgemeinschaft vermuteten. Als sie mit einigen Frauen dort ins Gespräch kamen, wurde eine von ihnen (Lydia), aufmerksam. Sie ließ sich und „alle, die zu ihrem Haus gehörten“, taufen, nachdem der Herr ihr das Herz öffnete. Danach lud sie Paulus und seine Begleiter in ihr Haus ein, um zu feiern.

Klingt im ersten Moment nicht gerade spektakulär, oder? So ein Aufriss, um dann jemanden ohne irgendwelche Hindernisse ganz normal zu bekehren und zu taufen? Hieß es nicht, jemand braucht (dringend) Hilfe? So vermittelt es der Text, aber das Resultat scheint recht ernüchternd …

Wer so denkt, der täuscht sich! Es heißt nicht umsonst: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wer weiß? Wäre die Gruppe nicht umgehend gestartet, hätten sie dann überhaupt noch ein Schiff bekommen? Hätten sie anders nach Philippi gelangen müssen, hätten dann aber den Sabbat verpasst und nie die Frauen, insbesondere Lydia, getroffen? Dann wäre es vielleicht nie dazu gekommen, dass die Frau sich und ihr Haus hätte taufen lassen …
Eine kleine Geschichte meinerseits: Ich habe einen guten Freund, der leider schwer erkrankt ist. Er wohnt weit weg von mir und wir haben nicht so oft Kontakt. Jedoch hatte ich immer wieder mal den Einfall gehabt, ihn anzurufen und ihn zu fragen, wie es ihm geht. Leider hatte es mir zeitlich nie gepasst ihn anzurufen, weil ich auch selbst viel um die Ohren habe. Aber ich war mir sicher, er würde sich freuen, von mir zu hören und zu wissen, dass ich ihn in Gedanken und Gebeten halte. Und kurz vor Weihnachten 2020 habe ich ihn dann doch angerufen. Und was soll ich sagen? Es war genau der richtige Zeitpunkt. Wir waren beide Zuhause, wir hatten beide Zeit und er hat sich riesig über meinen Anruf gefreut! Zwar scheint der Anruf eher wie eine Kleinigkeit und mag vielleicht auch „verspätet“ sein, jedoch war es für meinen Freund genau der richtige Zeitpunkt und ich konnte ihm damit den Tag versüßen.

Und ich hoffe, dass auch du, der du das hier liest, dich davon motivieren lässt, solche Gedanken zu verfolgen und sie in die Tat umzusetzen!

Laura Friedemann,
Erfurt

Sonntag, 04. Juli | Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!? | Psalm 7

Sommerandachten 2021

Psalm 7

Du bist wütend. Jemand hat dir gerade verletzende Worte an den Kopf geschmissen. Du rennst in dein Zimmer, knallst die Tür zu und wirfst dich aufs Bett. Was hast du für Gedanken? „Ich hasse ihn! Soll sie doch der Blitz treffen.“

Wir alle kennen solche Situationen, in denen wir so sehr gekränkt wurden, dass wir dem anderen das Schlechteste wünschen. Klar sind diese Gedanken blöd. Über andere zu urteilen sollten wir Gott überlassen. Trotzdem können wir diese Gedanken nicht vermeiden.

Und das ist auch nicht weiter schlimm. Die entscheidende Frage ist, wie wir damit umgehen. Wünschen wir uns, dass sie in Erfüllung gehen? Oder brauchen wir sie nur kurzfristig, um unsere Wut rauszulassen, um danach wieder klar denken zu können?

Ein Experiment zeigte folgenden interessanten Fakt: Probanden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Beide mussten ihre Hände in Eiswasser halten. Während die erste Gruppe die Kälte stumm aushalten musste, durfte die zweite von Herzen schimpfen. Das Ergebnis: Die zweite Gruppe hielt die Kälte um einiges länger aus als die andere Gruppe.

Emotionen und Gefühle brauchen ihren Platz. Entscheidungen zu treffen und Lösungen zu finden braucht Abstand von unserer Emotionalität. „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist“ ist nicht nur ein Werbeslogan. Er zeigt uns viel Wahres.

Auch David kennt das. Er war nicht der Beliebteste am Hof von König Saul und musste sich viele Beschimpfungen anhören. So auch von einem Mann aus dem Stamm Benjamins. Was genau er gesagt hat, erfahren wir nicht. Aber er hat David verletzt. Und diese Verletzung und seine Emotionen bringt er vor Gott. Er hofft auf Hilfe von ihm. Das aber nicht, ohne mal so richtig gegen seine Feinde zu wettern. Er wünscht sich, dass Gott es ihnen ordentlich zeigt. Doch David weiß auch, dass nur Gott richten kann. Und so, nach dem ersten Wutanfall, besinnt er sich darauf wieder. Er weiß, dass Gott die richtige Entscheidung treffen wird.

Mir persönlich zeigt der Psalm: Ich kann bei Gott alles abladen, was mich belastet. Ich darf ihm gegenüber andere beschimpfen und ihnen Böses wünschen. Gott hält diese Gedanken aus. Er kann sie einsortieren und damit umgehen. Anders als meine Mitmenschen. Sie werden durch meine Worte verletzt – und der Kreislauf beginnt.

Und wenn ich mich bei Gott so richtig ausgekotzt habe, habe ich auch wieder den Kopf frei. Frei, um mit ihm gemeinsam eine Lösung für mein Problem zu finden.

Katharina Tunger,
Lößnitz

Samstag, 03. Juli | Herz oder Kopf? | Apg 15,36-16,5

Sommerandachten 2021

Apg 15,36-16,5

Ein Herz und eine Seele … das ist oft die Vorstellung, wie Christen miteinander umgehen sollen. Hier aber gibt es Krach. Barnabas und Paulus geraten aneinander. Und dabei waren sie bereits auf der ersten Missionsreise zusammen unterwegs. Und jetzt die Trennung?

Grund dafür ist die Frage, ob Johannes Markus mit auf die Reise gehen soll oder nicht. Barnabas ist dafür, Paulus dagegen. Wer hat recht?

Bereits auf der ersten Missionsreise war Johannes mit ihnen unterwegs. In Apg 13,13 erfahren wir, dass er sich von Barnabas und Paulus trennte und zurück nach Jerusalem kehrte. Jetzt will er noch einmal mit. Barnabas setzt sich für ihn ein und will ihm eine zweite Chance geben. Christen sollen doch vergeben? Vielleicht fühlt er sich aber auch verpflichtet, denn Johannes ist mit Barnabas verwandt.

Paulus ist dagegen. Die Gründe kennen wir nicht. Vielleicht hält er ihn für unzuverlässig? Um als Nachfolger Jesu unterwegs zu sein, braucht es Verbindlichkeit.

Barnabas entscheidet mit Herz, Paulus mit Kopf. Vielleicht haben ja beide recht!?
Barnabas macht sich mit Johannes auf den Weg nach Zypern. Paulus nimmt Silas mit. Interessanterweise sind nun zwei Missionsteams unterwegs. Die Trennung hat also auch einen Vorteil!

Paulus und Silas reisen zunächst in Gebiete, die sie auf ihrer ersten Reise bereits besucht haben. In Lystra nehmen sie einen neuen Mitarbeiter auf: Timotheus. Als Sohn einer jüdischen Mutter ist er Jude, aber als Sohn eines griechischen Vaters eben nicht beschnitten. Die Beschneidung ist für die Juden aber das Zeichen für den Bund mit Gott. Das könnte Schwierigkeiten geben bei der Mission unter den Juden in dieser Gegend. Timotheus lässt sich beschneiden, aber nicht aus Glaubensgründen, sondern aus Rücksicht. Hier siegt das Herz, denn der Kopf weiß, dass eine Beschneidung vor Gott keine Rolle spielt.

Herz, Kopf, Recht oder Unrecht?! So leicht ist das oft nicht zu beantworten. Christen sind bei weitem nicht immer ein Herz und eine Seele. Und wenn es um den Glauben an Gott geht, da wird oft hart gekämpft. Eigentlich gut, denn was einem Menschen wichtig ist, darum kämpft er. Manchmal aber braucht es eine Trennung von Menschen, weil keine Einigung erzielt werden kann. Wichtig aber ist, dass in allem Gott der Mittelpunkt bleibt und damit die Achtung eines jeden Menschen.

Auch Paulus und Johannes haben sich wohl ausgesprochen. Paulus nennt übrigens am Ende einiger seiner Briefe Johannes Markus als Mitarbeiter und lobt ihn als fähigen Mann.

Katrin Köhler,
Wiesa

Freitag, 02. Juli | Richtig glauben!?! | Apg 15, 13-35

Sommerandachten 2021

Apg 15, 13-35

Zur Zeit der Apostelgeschichte war die Frage nach „dem richtigen Christsein / dem richtigen Glauben“ aufgekommen. Diese Frage ist so schwerwiegend, dass sie bis heute Bestand hat. Nur leider hat sich diese Frage an Formalitäten aufgehangen und hat sich nicht zu der eigentlich wichtigen Frage, das „wie komme ich näher zu Gott / wie wachse ich als Christ im Glauben“ weiterentwickelt.

Wichtig, um die damalige Diskussion zu verstehen, ist erst mal zu wissen, wie entschieden wird, wer Jude ist. Jude zu werden ist in erster Linie nicht dein Verdienst, sondern das deiner Mum. Denn wenn deine Mutter jüdisch ist, bist du automatisch auch jüdisch. Das Konvertieren (Annehmen eines anderen Glaubens) zum Judentum war sehr kompliziert und schwierig.

Deswegen wurde überlegt, ob jetzt die sogenannten Heiden-Christen zu Juden werden müssen, um dann Juden-Christen zu werden. Klingt erstmal kompliziert … Heißt vereinfacht nicht jüdische (Heiden) müssten:

  • Die Speisevorschriften einhalten (3. Mose 11,8)
  • Sich an die Zehn Gebote halten (2. Mose 20,2–17 oder 5. Mose 5,6–20)
  • Und Männer müssten beschnitten werden (1. Mose 17,9–14)

In Summe ziemlich viel Umstellung für nicht jüdische Menschen, die vielleicht nicht nötig ist – oder ist das die einzige Möglichkeit errettet zu werden? Schließlich sind die Gebote und Vorschriften Zeichen für das Bündnis zu Gott.

Was machen wir heutzutage in solchen Fällen? Richtig: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bild‘ ich einen Arbeitskreis… So wurde das Apostelkonzil berufen. In den Versen vor unserer Bibelstelle erklärt Petrus, dass er zu den Nichtjuden bzw. Heiden gesandt ist, weil Gott keinen Unterschied zwischen den Menschen macht und alle rettet – aus Gnade!

Gelten also keine der Regeln für uns „Zukunftschristen“? Heutzutage halten sich die wenigsten an alle Zehn Gebote und erst recht nicht an die Speisevorschriften. Haben wir mehr Freiheit?

Was bedeutet Freiheit? Die Abwesenheit von Regeln? Wir denken, dass Freiheit nicht mit absoluter Ungebundenheit und Willkür gleichzusetzen ist. Meine Freiheit geht nur so weit, bis sie die Freiheit anderer einschränkt. Und da zieht das einzige Gebot des neuen Testaments:
Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« (Galater 5,14).

Warum wird dann heutzutage immer noch so viel über Konfessionen nachgedacht und wer die bessere Auslegung hat? Können wir uns nicht über Unterschiede in der Form hinwegsetzen und gemeinsam als Christen, vielleicht sogar als Gläubige im Glauben weiterkommen?

Jugend Hannover

Donnerstag, 01. Juli | Was müssen wir? | Apg 15, 1-12

Sommerandachten 2021

Apg 15, 1-12

Das ist eine Frage, die öfters mal auftaucht. Am Frühstückstisch mit der Familie, bei der Pause in der Schule oder beim Sportverein: Die Kartoffeln musst du vor der Türe waschen. Du musst unbedingt diesen oder jenen Film anschauen. Du musst einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Du darfst auf keinen Fall einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Du musst das genauso machen wie ich, sonst machst du es falsch. Du musst dich entscheiden, entweder oder … Da kommt es ganz schnell zum Streit, weil wenn ich richtig liege, muss die andere Meinung ja falsch sein

Wir müssen ja aber nicht alle die gleiche Meinung haben um friedlich miteinander leben zu können. Wir müssen nicht alle die Faschingszeit lieben, sonntags Klöße essen und auch nicht die gleiche Partei wählen.

Wir müssen die Welt nicht in schwarz-weiß aufteilen. Entweder richtig oder falsch, Himmel oder Hölle, Gauland oder Merkel, Gutmensch oder Nazi, … das ist leicht und einfach, aber führt zu Vertrauenskrisen, Misstrauen und Unterstellungen, einem Entweder-oder?

Es gibt so viel Entweder-oder-Denken, weil es schwer auszuhalten ist, dass die Dinge gleichzeitig passieren und oft auch gleichzeitig wahr sind. Auf einer Seite sein ist erst mal einfacher. Also nur „erschüttert“, „empört“, „entzückt“ usw. Muss auch erst mal sein, klar. Aber auf Dauer trägt das nicht. Denn es führt als Dauerhaltung in ein gespaltenes Weltbild und auch politisch in die Spaltungen, die wir grad erleben.

Mir hat jemand ein Türschild geschenkt. Auf diesem Schild steht: Wer das Leben nur in schwarz und weiß malt wird niemals einen Regenbogen sehen.

So erlebe ich das auch im Glauben. Unser Glaube ist nicht schwarz/weiß sondern bunt. Ich habe schon einige Menschen kennengelernt, die die Bibel ganz anders verstehen als ich und Gott von ganzem Herzen lieben. Genauso wie Menschen bei mir überrascht sein können: Was du bist Christ, aber hast lange Haare und hörst Metal?

All dem menschlichen „Müssen“ – du musst viel in der Bibel lesen, du musst missionieren, du musst so oder so zu unterschiedlichen Liebesweisen stehen, du musst … - steht die göttliche Liebe, die uns sagt: „Du musst das alles nicht, du darfst, ich tue alles für dich und ich freue mich, wenn du das annimmst.“

In dieser göttlichen Liebe können wir dann auch unterschiedliche menschliche Meinungen aushalten, bei uns selbst unterschiedliche Gefühle zulassen, statt eines Punktes ein „und“ setzen. Das kostet Kraft, aber am Ende wird es befreiend sein.

Jeremias Georgi,
KJW Zwickau

Mittwoch, 30. Juni | Die Katzenklappe | Apg 14, 20b-28

Sommerandachten 2021

Apg 14, 20b-28

In dieser Bibelstelle wird erwähnt, dass Gott es immer wieder schafft die Türe des Glaubens zu öffnen. Aber wie sieht so eine Tür aus? Ich stelle mir das so vor:
Es gibt zwei Räume: einen Glaubensraum und einen Zweifelsraum. Du stehst im Zweifelsraum und Jesus im Glaubensraum. Zwischen diesen zwei Räumen gibt es eine Tür. Sie ist geschlossen. Jesus wünscht sich, dass sich die Türe öffnet. Deswegen klopft er an.
Aber an was für eine Türe klopft er?

Die Sicherheitstür: Wenn Jesus an deine Sicherheitstür anklopft, hörst du ihn vielleicht gar nicht, weil die Türe so dick ist. Wenn er sie öffnen möchte, muss er dich gut kennen und braucht Geduld. Welche Rätsel muss er lösen? Welche Schlüssel passen in welche Schlösser? Und er braucht Kraft, denn so eine Türe ist dick und nur schwer beweglich. Sie öffnet sich nur langsam. Aber ist sie dann erstmal offen, schließt sie sich auch nicht so schnell wieder.

Die Glastür: Die Glastür ist eigentlich das Gegenteil von der Sicherheitstür. Sie lässt durchscheinen, was sich im anderen Raum befindet und ist leicht zu öffnen. Du siehst das Licht im anderen Raum und öffnest die Türe vielleicht sogar von alleine. Wenn die Glastüre des Glaubens aber geöffnet ist und du enttäuscht wirst vom Glaubensraum, dann besteht die Gefahr, dass die zerbrechliche Glastür durch eine Sicherheitstür ersetzt wird.

Die Drehtür: Sobald diese Türe in Bewegung ist, kann Jesus „einsteigen“ und gelangt so zu deinem Zweifelsraum. Du kannst direkt mit einsteigen und gemeinsam mit Jesus in den Glaubensraum gelangen. Oder du steigst direkt in die Drehtüre, gelangst zum Glaubensraum, willst aussteigen, verpasst aber den Ausstieg und fährst enttäuscht wieder zu den Zweifeln. Vielleicht steigt Jesus aber auch dazu und dreht sich so lange mit dir im Kreis, bis ihr gemeinsam in den Glaubensraum eintreten könnt.

Die Katzenklappe: Die Katzenklappe zum Glauben ist gleichzeitig einfach und kompliziert. Die Katzenklappe ist nie zu 100% geschlossen. Zu den Zweifeln gehört also der Glauben, zum Glauben aber auch die Zweifel. Wenn Jesus an die Klappe klopft, öffnet sie sich einen Spalt von alleine und seine Hand reicht in deinen Zweifelsraum. Du musst sie nur ergreifen. Wenn du vom Glauben enttäuscht wirst, gehst du ohne viel Mühe zu deinen Zweifeln. Die Klappe schwingt ständig hin und her. Das Gute ist, dass Jesus die Scharniere dieser Katzenklappe immer wieder ölt und dir der Zugang zum Glaubensraum nie versperrt wird.

Was braucht es, damit sich deine Glaubenstüre öffnet? An was für eine Tür klopft Jesus an?

Jana Göhler,
Reutlingen

Dienstag, 29. Juni | Das wankelnde Volk | Apg 14, 1-20a

Sommerandachten 2021

Apg 14, 1-20a

Paulus ist auf Reisen. Gemeinsam mit seinem Freund Barnabas aus Antiochia zieht er als Wanderprediger umher und missioniert. Im biblischen Text steht, dass ihm Juden und Griechen (Griechen: Griechisch war damals die allgemein gesprochene Sprache im östlichen Mittelmeerraum, alle Sprecher werden hier als „Griechen“ bezeichnet) zuhörten. Von beiden Volksgruppen fanden unter Paulus viele zum Glauben an den Christus. Doch einige Juden fanden Anstoß an der christlichen Lehre. Diese hetzten gegen Paulus und seine Begleiter, und so wechselten die Perspektiven für Paulus und plötzlich drohte ihm die Steinigung. In Hoffnung und Vertrauen auf Gott blieben sie noch in Ikonion (in der heutigen Zentraltürkei). Doch bald wurde die Bedrohung zu groß und sie flohen.

Mich erinnert diese Situation und die Entwicklung an Martin Luther King Jr. Er war zwar kein Missionar im klassischen Sinne, aber auch er war ein erfolgreicher Prediger und zeigte auf das, was seiner Meinung nach das Wichtigste war. In seinem Fall ging die Diskriminierung der schwarzen Minderheit in den USA voran. Er war erfolgreich, so wie Paulus. Und so wie Paulus immer mehr Menschen auch gegen sich aufbrachte, je beliebter er wurde, so erging es auch King. Immer mehr Drohungen gegen ihn und seine Anhänger kamen auf, bis er schließlich ermordet wurde. Er starb für seine Sache, was Paulus hier noch nicht tat.

Paulus schaffte es zu fliehen und landete in Lystra. Auch hier predigte er und heilte einen Lahmen. Als das Volk dies sah, dachten sie, Paulus und Barnabas seien zwei Götter, die vom Olymp herabgestiegen seien. Er versuchte zwar das Volk aufzuklären, doch gelang ihm dies nicht. Erst als einige Juden aus Ikonion ankamen und seinen Tod wollten, tut sich etwas. Wenn gleich etwas zu viel: denn kurz darauf wird Paulus gesteinigt. Doch wie durch ein Wunder überlebt er dies.
In beiden Städten schlägt das Volk in den wohl extremstmöglichen Ansichten zu Paulus hin und her. Und es scheint nur die zwei Extreme zu geben, keine Mitte und auch keinen Dialog. Dieses Phänomen kennen wir aus unserer Zeit nur allzu gut. Die Nachrichten sind voll davon: Demos eskalieren und es werden Andersdenkende und Polizisten angegriffen. Polarisierung, wo hin man auch blickt. Wo soll das enden? Paulus hat seine Steinigung wundersamer Weise überlebt. Martin Luther King Jr. oder die Opfer von Hanau bleiben tot. Sie alle sind Opfer von Polarisierung und Radikalisierung, und unser Auftrag sollte sein, in Zukunft Menschen und unsere Gesellschaft davor zu bewahren, diesen beiden zum Opfer zu fallen.

Heinrich Lasch,
Zwickau


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Die Andachten für die Sommerzeit 2021 wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der  Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens der jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die gedruckte Exemplate der Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben. Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.