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Sommerandachten 2021

Montag, 28. Juni | Kannst du die Welt retten? | Apg 13, 44-52

Sommerandachten 2021

Apg 13, 44-52

In der heutigen Bibelstelle richten sich Paulus und Barnabas an die Atheisten, also an all diejenigen, die nicht an Gott glaubten. Sie überbringen nämlich folgenden Auftrag: „Ich habe dich zum Licht für alle Völker gemacht, damit du der ganzen Welt die Rettung bringst, die von mir kommt.“ Die Zuhörer freuen sich daraufhin und danken und feiern Gott dafür.

Aber Moment mal... Ist das wirklich so leicht?
Wenn jemand zu mir kommt und sagt, hey du, Gott hat ein Licht in dir gepflanzt, geh hinaus in die Welt und rette sie – dann erscheint mir das dezent unmöglich. Ich wünschte, Gott würde mir mal konkret sagen, was er von mir erwartet und inwiefern ich denn die ganze Welt retten soll.

Stattdessen sitze ich hier in meinem Zimmer, in Gedanken schon wieder bei der nächsten Klausur und versuche mir zu überlegen, wie ich seine Idee in die Tat umsetzen kann. Zuallererst fällt mir auf, dass die Idee, die Welt zu retten, womöglich etwas gewagt ist. Ich meine, die ganze Welt ist doch vielleicht ein Ticken zu krass. Ich beginne daher einfach mal mit meiner eigenen kleinen Welt, in der ich mich befinde: mein Umfeld, das heißt meine Familie, Freunde, Kommilitonen und Mitbewohner. Sie alle soll ich retten?

Ein kritischer Gedanke kommt mir: wenn ich von mir behaupte, dass ich ihnen die Rettung bringe, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass die Leute im Umfeld meine Rettung nötig haben? Ich finde, meine Freunde führen eigentlich ein recht gutes Leben. Wir helfen einander für die Uni, engagieren uns bei sozialen Projekten und achten auf unsere Umwelt. Außerdem: Wer bin ich zu sagen, dass ich ihnen Rettung schenke – ist das nicht etwas überheblich?
Lasst uns daher probieren, diese Bibelstelle mal ein bisschen anders zu interpretieren. Statt uns von den ursprünglichen Worten verwirren zu lassen, können wir nach einem versteckten Gedanken suchen. Ich erkenne in den Zeilen eine Aufforderung, unsere christlichen Werte zu leben. Und da das immer noch recht abstrakt ist, sind hier ein paar praktische Ideen: Wir können Nächstenliebe zeigen, indem wir für unsere Nachbarn den Einkauf erledigen. Wir können Respekt und Wertschätzung unserer Umwelt entgegenbringen, indem wir weniger Fleisch essen und statt dem Flugzeug die Bahn nehmen. Wir können ehrlich miteinander umgehen und das Gespräch suchen, wenn wir von jemandem verletzt sind, anstatt leisen Groll zu hegen. Und außerdem können wir lernen einander zu vergeben, denn wir alle machen Fehler.

Der Gedanke, die Welt mit unserem Licht zu retten, erscheint plötzlich also gar nicht mal mehr so seltsam. Lasst uns unserer Umgebung ein Vorbild sein, indem wir unseren Werten entsprechend handeln. Die Liebe, die wir dadurch einander schenken – das ist letztendlich das Licht, womit wir unsere Umgebung noch heller machen können.

Emily Trabitzsch,
Utrecht (Niederlande)

Sonntag, 27. Juni | Der Spiegel des Vergessens | Psalm 5

Sommerandachten 2021

Psalm 5

Was ging dir durch den Kopf, als du die Worte von David gelesen hast? Ich meine, es ist immerhin ein Gebet, ein Gespräch von Herz zu Herz mit Gott. Irgendwie lese ich darin viel Zorn und Verärgerung und bin erstaunt, dass David das ganz deutlich zu Gott sagt. Und ich denke so: „Darf er das?“ „Darf man das / darf ICH das?!“
Kann man so mit Gott reden?

Scheinbar schon. Und ehrlich gesagt, bin ich dankbar dafür. Denn diese ehrlichen Worte Davids sind mir persönlich nicht fremd. Du hast sicherlich auch schon einmal die Erfahrung gemacht, dass jemand dich angelogen und hintergangen hat, oder?
Und das fühlt sich sehr besch*** an. Da finde ich es sehr treffend, wie David das in Vers 10 beschreibt: „Doch wenn diese Leute den Mund aufmachen, dann kommt nichts Wahres heraus. In ihrem Inneren tut sich ein Abgrund auf.“ (Basisbibel-Übersetzung)

In solchen Momenten, wenn sich eine tiefe Verletzung breit macht und sich im Innern ein Abgrund auftut, da ist mir nicht nach Nächstenliebe zumute. Nein, da möchte ich die Person gleich mit in den Abgrund reißen und ihr zeigen, was sie angerichtet hat. Ja, das habe ich gerade wirklich gesagt und so gemeint. Solche Gefühle sind menschlich, und wir dürfen sie haben. Das ist das erste, was ich aus diesem Psalm für mich mitnehme. Aber wir können von David lernen, dass es dabei nicht bleibt. Er verbleibt nicht in seiner Verletzung, in seinem Zorn, in seinem Wunsch, dass diese Leute bestraft werden. Er richtet den Blick weg von seiner inneren Verletzung, hin zu dem, der heil macht: Gott.
„Doch alle, die bei dir Zuflucht suchen, dürfen sich von Herzen freuen. Unaufhörlich sollen sie jubeln, dass du sie unter deinen Schutz stellst.“ (V.12 – Basisbibel)

David kennt Gott ganz genau und weiß, er ist ein Gott der Gerechtigkeit, der das Unrecht sieht. Er weiß, dass er ein Kind des Gottes ist, der auf der Seite der Leidenden, der Verletzten, der Unterdrückten steht. Und er weiß, in seiner Gegenwart findet er Trost. Zu Davids Zeiten hat man diese Gegenwart vor allem im Tempel gesucht und gefunden, weil Gott dort in gewisser Weise lebte. Dank Jesus und dem Pfingstwunder wissen wir, dass Gott in Form des Heiligen Geistes in uns wohnt und wir nun dieser Tempel geworden sind. Also wir haben eine direkte Verbindung zu Gottes Gegenwart. Und das will ich als zweites lernen und dir mitgeben:
Ja, Verletzungen kommen, Enttäuschungen bleiben nicht aus, Leid geht auch an mir nicht vorbei. Aber da möchte ich nicht stehen bleiben, mich nicht in den Abgrund reißen lassen, sondern den Blick heben zu dem, der alles in seinen Händen hält. Zu dem, dessen Nähe heil macht: Gott, der uns in Jesus ganz nahegekommen ist.

Also, nimm dir doch heute die Zeit, mal ehrlich deine Gefühle zu Gott zu schreien. Bring Gott deine Wut und Verletzung im Gebet. Und dann danke ihm, dass er da ist und dich segnet, jeden Tag aufs Neue.

Pastor Damian Carruthers,
Baiersbronn

Samstag, 26. Juni | Verkehrte Welt | Apg 13, 26-43

Sommerandachten 2021

Apg 13, 26-43

Ich will ein guter Christ sein.
Halte mich an die Gebote.
Folge Jesus nach.
Versuche seinen Willen zu erfüllen.
Höre auf sein Wort.
Lebe mein Leben nach seinen Regeln.
Glaube fest.
Und bin mir meiner Rettung gewiss.
Schließlich tue ich auch etwas dafür.
Ich gehe in die Kirche und gehöre hinein in die Gemeinschaft der Glaubenden.
Ich bin gut. Ich versuche, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Darum wird Gott mich annehmen. Das ist die Botschaft des Evangeliums, die Botschaft des Gesetzes.

--

Ich bin vielleicht kein guter Christ.
Es fällt mir schwer, mich an Gebote zu halten, deren Sinn ich nicht mehr nachvollziehen kann. Gebote, die vor Jahrtausenden aufgeschrieben wurden und mit mir heute nur noch wenig zu tun haben.

Ob ich immer Jesus folge, das weiß ich nicht. Jesus lebte auf der Erde heimatlos, in Armut und gab sein Leben für andere. Ich sehe mich um, sehe meinen Reichtum, meine Sicherheiten und frage mich, was Nachfolge dann genau bedeutet.

Ich versuche seinen Willen zu erfüllen, aber wer weiß schon genau, was sein Wille ist? Gott ist manchmal so weit weg und ich verstehe ihn nicht.

Ich höre auf sein Wort, doch gibt es so viele Möglichkeiten, sein Wort zu verstehen. Wer bin ich, zu behaupten, ich hätte die alleinige Wahrheit? Ich würde sein Wort richtig verstehen?
Ich sehe die Regel, die Jesus mir gibt: Liebe deinen Nächsten. Und dennoch fällt mir das manchmal schwer. Manchmal bin ich enttäuscht von anderen und von mir selbst. Manchmal genügt meine Kraft nicht, um auf den Nächsten / die Nächste zuzugehen.

Zu meinem Glauben gehört immer wieder der Zweifel. An der Welt, an mir selbst, an Gott. Manchmal ringe ich mit Gott und meine Fragen bleiben ohne Antwort. Ich bin vielleicht kein guter Christ.

„Diese sprachen mit ihnen und ermahnten sie, dass sie bleiben sollten in der Gnade Gottes.“

So endet der Text für die heutige Sommerandacht. Bleib in der Gnade!
Vergiss die Gnade nicht!
Vergiss nicht, dass Gott die Gnade über alles gestellt hat. Sogar über sein eigenes Leben.
Golgatha hat die Welt auf den Kopf gestellt.

Gott hat die Gerechtigkeit gegen die Gnade getauscht.
Gott hat den Tod gegen das Leben getauscht.
Gott hat die Hoffnungslosigkeit gegen das Vertrauen getauscht.

Vielleicht lautet die Botschaft des Evangeliums ganz anders.
Gott kommt gerade zu uns, weil wir nicht perfekt sind. Weil wir an unseren eigenen Ansprüchen scheitern. Weil uns auch der Glaube manchmal schwerfällt.

Gott glaubt an uns. Vergessen wir seine Gnade nicht.

Carsten Hallmann,
Bockau

Freitag, 25. Juni |Gottes Geschichte mit den Menschen – Nutze deine Chance | Apg 13, 13-25

Sommerandachten 2021

Apg 13, 13-25

Paulus und Barnabas sind weiter auf ihrer Missionsreise und gehen an einem Sabbat in die Synagoge. Dort wurden sie vom Synagogenleiter aufgefordert, ein ermutigendes Wort für die Gemeinde zu sprechen. Die Frage ist: Warum durfte Paulus in dieser Synagoge sprechen? Als Missionar in einer jüdischen Gemeinde predigen – normalerweise geht das nicht. War sein Ruf ihm vorausgeeilt? Aber dann hätten sie doch wissen müssen, dass Paulus auch zu den Heiden gepredigt hat – als Jude geht das nicht. Oder fühlte sich die Gemeinde dem christlichen Glauben verbunden und wollte eine christliche Predigt hören? Oder vielleicht kennen sie Paulus auch gar nicht?

Auf jeden Fall hat Paulus die Chance genutzt und den Juden in der Synagoge von Jesus erzählt. Welche Chancen nutzen wir heute, um Gottes Wort anderen Menschen weiterzuerzählen?

Zuvor hatte ein Vorleser aus dem Gesetz und den Propheten vorgelesen. Damit holt Paulus mit seinem Wort die Menschen genau dort ab, wo sie stehen. Er beschreibt die Geschichte Gottes und des Volkes Israel. Paulus fängt mit dem Auszug aus Ägypten an, geht weiter über die Wüstenwanderung, und die Landeinnahme Kanaans zu den Richtern und Königen. Der Schluss der Geschichte beschreibt, dass aus den Nachkommen König Davids Gott Israel einen Retter bringen wird – Jesus Christus. Man erkennt, dass Gott versucht, immer wieder die Menschen für sich zu gewinnen.

Paulus spricht die Menschen in der Gemeinde mit „Männer von Israel und ihr, die ihr Gott fürchtet“ an. Hier bezieht er sich auf zwei Gruppen: jüdische Menschen und Menschen, die Gott fürchten. Damit wird auch seine Zielbotschaft doppeldeutig:

  1. Jüdische Menschen bzw. fromme Juden kennen ihre Geschichte, die Geschichte des Volkes Israels. Paulus beschreibt, wie Gott in die Geschichte eingreift und alles durch Jesus Christus in Erfüllung geht. Damit gehört Jesus in die Geschichte Israels, und die Geschichte Gottes wird mit ihm fortgesetzt.
  2. Für die Menschen, die Gott fürchten, gibt Paulus eine kurze Zusammenfassung, wie sich die Geschichte Gottes mit Israel und die Geschichte von Jesus von Nazareth zusammenfügen. Vieles in der Geschichte Gottes hat sich in Jesus erfüllt.

Christen nennen die Geschichte Gottes mit den Menschen auch Heilsgeschichte. Die unglaubliche Geschichte musst du mal lesen! Du findest sie im Alten Testament der Bibel. Es ist die ultimative Lovestory, die uns eins zeigt: Gott ist mit uns längst noch nicht fertig. Wo schreibt Gott mit dir Geschichte?

Carina Kirschmer,
KJW Süd

Donnerstag, 24. Juni | „… und verwunderte sich …“ – missionarisches Leben | Apg 13, 1-12

Sommerandachten 2021

Apg 13, 1-12

Viele Namen und eine kurze Wegbeschreibung - immerhin sind es rund 450 km und das zu Fuß und mit Segelschiff- und dann eine verwunderliche Geschichte. So beginnt dieses „Werk“, zu dem Gott Barnabas und Saulus berufen hat und das heute im Buch Apostelgeschichte zumeist mit „erste Missionsreise“ betitelt wird.

Aus dieser Reise sollen Gemeinden aus Juden und Nichtjuden hervorgehen. Die sogenannte Heidenmission nimmt hier ihren Anfang. Aber davon wissen die Geschwister in Antiochia (heute Antakya/Türkei) noch nichts. Sie gehen ihren ganz normalen „Glaubensgeschäften“ nach, als der Heilige Geist sie anspricht.

Ganz normale „Glaubensgeschäfte“? Gottesdienste ja, aber Fasten? Macht man das nicht kurz vor Ostern? In den damaligen jüdisch-christlichen Gemeinden war es üblich, dass zum Beten auch das Fasten gehörte. Wenn man eine Frage an Gott hatte, dann unterstützte man sein Gebet durch Fasten und verzichtete einen Tag in der Woche von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang aufs Essen. Und diese Glaubenspraxis -man könnte auch von „Methode“ reden (Na? Schon mal was von Methodismus gehört?)- steht am Anfang des Christentums unter Nichtjuden, ja am Anfang des Christentums in Europa!

Barnabas und Paulus machen sich auf den Weg nach Zypern. Warum eigentlich gerade dorthin? Der Ursprung der Gemeinde in Antiochia lag in Zypern (vgl. Apg.11,20). Spendenmittel für diese teure Reise aufzutreiben, wird mit dem Ziel „Zypern“ in der Gemeinde in Antiochia also etwas leichter gewesen sein. Außerdem stammte Barnabas aus Zypern (vgl. Apg. 4,36). Sie brechen also auf in eine Gegend, in der sie sich einen gewissen Heimvorteil erhoffen.

Und tatsächlich: sie starten ihre Missionsreise recht erfolgreich an der östlichen Seite der Insel und kommen dann nach Paphos, der damaligen Verwaltungshauptstadt. Und dort treffen sie auf einen interessierten Statthalter und auf einen erbitterten Gegner. Ein Zauberer und falscher Prophet versucht Sergius von dem, was die Missionare zu erzählen haben, abzuhalten.

Wenn ich manchmal mit meinen Freunden zusammen bin, werde ich traurig. Denn dann fällt mir ein, wie wenige von denen eigentlich von Jesus gerettet sind …

Diese Geschichte zeigt mir drei Punkte, wie ich es anfangen kann, missionarisch zu Leben:

  1. Ich muss es ernst meinen. Das kann sich z.B. darin zeigen, dass ich anfange für meine Freunde zu beten. Und dieses Gebet kann ich durch die Methode des Fastens „unterstützen“.
  2. Ich muss mir nicht den überzeugtesten aller Atheisten als ersten aussuchen, um ihm von Jesus zu erzählen. Ich sollte erstmal dahin gehen, wo es leicht ist.
  3. Ich werde auf Widerstand stoßen. Dies wissend kann ich mich darauf vorbereiten. Aber ich brauche keine Angst zu haben – wenn es hart auf hart kommt, dann wird Gott den Streit führen.

Und alle, die es sehen, werden sich verwundern …

Benjamin Huth,
Berlin-Friedrichshain

Mittwoch, 23. Juni | GUCK MAL DANEBEN … | Apg 12, 1-25

Sommerandachten 2021

Apg 12, 1-25

Alle achten auf Petrus. Ich lade Euch ein, einmal auf einige andere in der wirklich seltsamen Geschichte zu schauen:

Herodes
… gibt es viele. Hier ist nicht der Große und nicht Antipas, sondern Agrippa I gemeint, der eigentlich Markus Julius Agrippa hieß und von 10 v. - 44 n. Chr. lebte.

In Rom aufgewachsen, lebte er nach dem Tod seiner Mutter verschwenderisch und verschuldete sich total. Seine Frau rettete ihn vor dem Selbstmord durch Finanzhilfe aus der Familie und Verwandtschaft. Opa Herodes, der Große und ein Onkel halfen ihm, so dass er nach Jahren wieder auf die Füße kam und durch „Vitamin B“ sogar König von Judäa und Samaria wurde. Zu den geographischen Nachbarn hielt er gute Kontakte. Die Christenleute verfolgte er, um zu den einflussreichen jüdischen Bewohnern eine gute Verbindung zu halten.

Als er – nach Gefangenschaft und Befreiung von Petrus auf seinem Richterstuhl saß, funkelte sein silbernes Gewand so sehr, dass die Leute ihn als göttlich zu verehren begannen. So schreibt Flavius in seinen Aufzeichnungen. Herodes wies das nicht zurück und nahm die Verehrung geschmeichelt an. Danach bekam er krampfartige Schmerzen, mit denen er nach fünf qualvollen Tagen verstarb.

Wie er wohl die wenigen Tage, von denen wir gelesen haben, erlebt hat? Stolz, verärgert, verunsichert, geschmeichelt, hoffnungsvoll, entsetzt, verzweifelt? Aber was hätte ich geglaubt, erwartet, verworfen? Wie sehr hätte ich meinen Alltag unterbrechen lassen von Unerwartetem, Unfassbarem? Wie ist das in meinem Alltag heute 2021?

Wärter
... waren beim wunder-vollen Tun durch einen Engel Gottes näher dran als sonst jemand. Und doch verschlafen sie alles. Wachen auf und entdecken die „Flucht“. Werden befragt und gestraft. Sie hätten Augenzeugen werden können, sind es aber nicht und werden auch nicht weiter erwähnt.

Ob sie das in ihrem weiteren Leben beschäftigt hat? Ob sie überhaupt noch lange gelebt haben oder ebenso – wie in den meisten Fällen von gelungener Flucht Inhaftierter - zum Tod verurteilt wurden? Ob sie sich das alles mit Logik zu erklären versucht haben oder sich gegenseitig Vorwürfe machten? Ob es sie geöffnet hat für wenigstens einen Gedanken, dass der Gott der jüdischen und christlichen Menschen lebendig sein könnte? Und ich? Lasse ich mich zu Vertrauen locken und meine gefestigte Vorstellung durch Gottes Tun weiten?

Rhode
… ist ein Name griechischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „rosa“. Die Magd kennt sie alle, alle in der Gemeinde im Haus, auch Petrus. Dennoch öffnet sie die Tür beim Klopfzeichen nicht. Sie macht ihren Job nicht. Sie läuft und berichtet begeistert, lässt Petrus aber vor der Tür.
In einer Andacht des WDR gab es die herausfordernde Frage, die ich mit Euch teilen möchte:
Wo überhöre ich Klopfzeichen, lasse Menschen oder auch Gott nicht in meine Situation ein?
Wie gut, dass Gott oft beharrlich und freundlich auf mich wartet …

Ich wünsche Dir Bereicherung im Daneben-sehen auf die Nebenrollen im Text. Ich wünsche Dir, dass Du heute – und an allen Tagen – Gottes Tun in Deinem Leben bemerkst. Und darin wünsche ich Dir, dass Du auf die Hauptperson siehst!

Beate Klähn-Egbers,
Hamburg

Dienstag, 22. Juni | „Wir müssen reden …“ | Apg 11, 19-30

Sommerandachten 2021

Apg 11, 19-30

Im Sommer 2015 besuchte ich zum ersten Mal in meinem Leben Kuba, knapp vor der Öffnung des Landes für US-Amerikanischen Touristen. Eine Freundin von mir ist Kubanerin, und ich hatte weiße Strände, rostige Amischlitten und Salsa unter Palmen im Kopf, als ich dort ankam. Die Realität war ganz anders als erwartet, sehr faszinierend und mir völlig fremd. Eine tropische Insel ohne Obst und Gemüse in den Läden, weil das Land für Exportkaffee und -Zucker genutzt wird.

Ein blühender Schwarzmarkt mit Flachbildschirmen und zensiertes Internet nur an öffentlichen Plätzen. Dafür kein einziger Slum oder Bettler, hervorragende Küche gegen Barzahlung in den B&Bs und enorm viel Hilfsbereitschaft und viele sehr interessante Gespräche über das für und wider von Kommunismus und Kapitalismus. Eine ähnliche Mischung aus Fremdheit und Faszination mögen vielleicht die Christen in der Apostelgeschichte gefühlt haben, als sie auf Zypern und in Griechenland ankamen, im Gegensatz zu mir nicht zum Urlaub, sondern auf der Flucht vor Verfolgung, auf der Suche nach einer neuen Heimat. Dann die Begegnung mit einer völlig anderen Welt, einer Kultur, die das Gegenteil war von ihrer eigenen. Und trotzdem schildert dieser Text, wie sich diese beiden Welten berühren. Verstehen, austauschen und am Schluss sogar einen gemeinsamen Weg in einem gemeinsamen Glauben gehen. Für mich wirkt das fast wie ein Wunder.

Dieses Wunder, von dem hier erzählt wird, gibt es bis heute in unserer Kirche. Es ist sogar ein ganz zentraler Grundbaustein des Methodismus: Die Connexio – die Verbindung mit allen Methodisten und ich finde auch allen anderen Menschen auf dieser Welt zu teilen. Die Verbindung, die es uns über alle Unterschiede und vielleicht auch Gegensätze ermöglicht, einander zuzuhören, uns zu verstehen und ein Stück des Weges zusammen zu gehen. Für mich als Methodistin bedeutet das, dass ich in jedem Land der Welt ein Stück Heimat habe.

In Kuba habe ich damals im Urlaub diese Connexio auch zum ersten Mal wirklich erlebt. Denn die 16-jährige Tochter unserer letzten Gastfamilie war auch Methodistin und hat mich am Sonntag in den Gottesdienst mitgenommen. Der war wie der Rest des Landes sehr anders als unsere Gottesdienste: Die Musik, die Themen und die Menschen, die hier gefeiert haben. Und trotzdem war es ein Stück einer großen Weltgemeinde. Anders und doch verbunden!

Ante von Postel


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Die Andachten für die Sommerzeit 2021 wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der  Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens der jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die gedruckte Exemplate der Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben. Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.