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Sommerandachten 2021

Montag, 16. August | Wo ist er denn nun, dein Gott? | 2. Könige 19, 1-19

Sommerandachten 2021

2. Könige 19, 1-19

Hiskia, der König von Juda, sein Volk und ich – wir haben wenig gemeinsam! Er, König eines kleinen Staates, umgeben von Großmächten, die sein Land erobern wollen. Das Volk, einfache Menschen, die beunruhigt hören, wie die Feinde immer mehr Städte um sie herum einnehmen. Und ich, fasst drei Jahrtausende später und 3000 km entfernt von dem damaligen Juda. Wirklich, da gibt es kaum Gemeinsamkeiten.

Eines aber kennen wir alle: Das Gefühl, wenn sich andere über unseren Glauben lustig machen. Wenn offen belächelt oder verspottet wird, worauf wir vertrauen. Und wenn angesichts Gefahr und Leid polemisch gefragt wird: Wo ist er denn nun, dein Gott?

Schaut man mal ein Kapitel vor den Andachtstext, erfährt man, dass die Lage, in der sich König Hiskia und sein Volk gerade befinden, tatsächlich brenzlig ist. Der Assyrerkönig hat ein gewaltiges Heer vor die Tore von Jerusalem geschickt – dort stehen sie bereit, um die Stadt im Handumdrehen einzunehmen. Dabei machen die Belagerer ihrem Spott keinen Hehl: „Glaubt nicht, dass euer Gott, euch retten wird. Haben die Götter der Völker, die wir zuletzt erobert haben, ihre Völker vor unseren Truppen geschützt? Nein! Warum sollte es bei euch anders sein?“
Wie sollen Hiskia und die Bewohner Jerusalems auf diesen Hohn antworten? Sie schweigen. Was hätten sie auch erwidern sollen? Vermutlich fehlen ihnen die Worte.

So wie mir oft, wenn Mitmenschen über Gott und den christlichen Glauben reden. „Wo war dein Gott, als der LKW in die Menschenmenge fuhr?“ „Du bist bloß nicht mutig genug, einzusehen, dass das Leben eine Aneinanderreihung von Zufällen ist.“ „Unser Leben hat halt keinen tieferen Sinn.“

Wie soll ich darauf antworten? Wie soll erklären, dass ich ihre Argumente verstehe und dass ich dennoch tief davon überzeugt bin, dass da doch ein Gott ist. Ein Gott, mit dem ich in Beziehung treten kann. Der mir Hoffnung und Kraft gibt.

Hiskia antwortet den Spottenden nicht, er lässt ihnen keine Botschaft mit Gegenargumenten senden. Stattdessen wendet er sich an Gott. Und Gott sagt: „Fürchte dich nicht vor den lästernden Worten der anderen.“ Dann lässt er seinen Worten Taten folgen und täuscht den feindlichen König so sehr, dass dieser seine Truppen wieder abzieht. Jerusalem ist gerettet.

Wo ist er denn nun, dein Gott? Manchmal weiß ich es nicht. Dann finde ich keine Worte, um Zweiflern und Spöttern etwas entgegen zu setzen. Aber Geschichten wie die von König Hiskia zeigen mir: Wo mir die Worte fehlen, hat Gott eine Antwort parat. Darauf kann ich vertrauen.

Josephin Trabitzsch,
Kiel

Sonntag, 15. August | „Behüte mich wie einen Augapfel im Auge“ | Psalm 17

Sommerandachten 2021

Psalm 17

In den Psalmen spiegelt sich für uns wieder, welche Ängste, Bitten, Klagen und Dankesworte Menschen schon vor tausenden Jahren an Gott gerichtet haben. Wir können erkennen, dass sich die Anliegen, mit denen Menschen zu Gott kommen, in all der Zeit nicht verändert haben. Da ist das Schildern von Angst, Verfolgung, Bedrohung, Verspottung, Einsamkeit und der Ausgesetztheit gegenüber Dingen, die der Mensch nicht immer beeinflussen kann wie die Natur, den Tod und das Übel in der Welt. Die Psalmen haben, ob nun gesungen oder gesprochen, Menschen die Möglichkeit gegeben, das Positive und Negative, was sie bedrückt, in Worte zu fassen und vor Gott zu bringen. Sie helfen uns heutzutage auszudrücken, wofür wir selbst keine Worte finden können, in dem Vertrauen darauf, bei Gott ebenso Gehör zu finden wie schon Psalmbeter*innen seit jeher.

Im 17. Psalm, den wir heute lesen, können wir entdecken, welchen Stimmungsumschwung das Beten eines Psalms bewirken kann und welcher in ihm steckt: Ein Umschwung von Klage und Bitte hin zum Vertrauen. Der*die Beter*in schildert ein gottesfürchtiges, unschuldiges und gerechtes Leben, und doch ist er*sie sich bewusst: Ich brauche Gott und seinen Schutz an meiner Seite (Vers.8). Diese Bitte um Gottes Behütung spricht der*die Beter*in aus, bevor sie*er Gott das erfahrene Leid schildert. Bedrängung, (Todes-)Angst, Verfolgung und Gewalt hat diese Person erlebt. Doch die betende Person bleibt nicht bei den Klagen. Sie drückt abermals ihre Bitte um Gottes behütenden Schutz aus (V.14), die in einem Vertrauensbekenntnis mündet.

Dieser Psalm und auch viele andere Psalmen zeigen uns: Beten kann mehr sein als klagen! Beten kann Vertrauen zu Gott schenken! Beten kann unseren Blickwinkel auf uns selbst verändern! Indem im Gebet nicht beim Aussprechen der Klagen, der Ängste und der Trauer aufgehört, sondern noch Raum geschaffen wird, auf Gottes Behütung und Gehör zu hoffen, verändert sich der Blickwinkel auf den Gebetsinhalt und auf uns selbst. Wir stehen mit dem, was wir Gott anvertraut haben, nicht alleine da. Das, was uns bedrückt, uns Angst macht, uns traurig stimmt, muss uns nicht vollumfänglich einnehmen. Neben alledem und darüber hinaus gibt es Gott an unserer Seite, auf den wir vertrauen können.

Ist Dir im achten Vers dieses Psalms ein uns heute bekanntes Sprichwort aufgefallen? Wenn ich heute anderen Menschen oder mir selbst in die Augen schaue, möchte ich mich erinnern, dass es sich lohnt, auf Gott zu vertrauen und diesem Vertrauen im Gebet Ausdruck zu verleihen: Bei Gott sind wir behütet wie ein Augapfel im Auge!

Jonas Stolze,
Münster

Samstag, 14. August | Ausgeliefert | 2. Könige 18, 13-37

Sommerandachten 2021

2. Könige 18, 13-37

Ob der Mobber vom Schulhof, rücksichtslose Geschäftemacher, ein antiker Kriegsfürst oder moderne Tyrannen: dass die Starken und Mächtigen nicht immer angenehme Zeitgenossen sind, hat sich im Lauf der Jahrtausende nicht verändert. Da wird gedroht und eingeschüchtert. Das geforderte Schutzgeld schützt dann doch nicht vor der Willkür des Mächtigen. Die Verbündeten werden schlechtgeredet, Misstrauen wird gesät, und bei der schweigenden Masse wird gezielt Angst geschürt. Der Glaube an Gott, der den Menschen noch Hoffnung gibt, wird verspottet und schlecht gemacht.

Nein, wie sich der König von Assyrien und seine Fürsten hier aufführen, überrascht mich nicht im Geringsten. Das ist das Standardrepertoire des überheblichen Menschen, der sich niemandem und nichts unterordnet und nur seinem eigenen Willen folgt.

Überraschend finde ich dagegen, wie sich König Hiskia verhält. Ein Mann, der tat, was Gott gefiel, wie es heißt: Hiskia ist pragmatisch und deeskaliert. Angesichts der militärischen Übermacht bringt er das Schutzgeld auf, selbst wenn er dafür das Gold von den Tempeltüren kratzen muss. So mancher fromme Hardliner würde ihm das wohl auch heute noch übelnehmen. Gott anscheinend nicht. Ihm scheint das Herz des Königs wichtiger zu sein als der Prunk im Tempel. Hiskia bittet das Volk, zu schweigen und nicht auf die aggressiven Provokationen zu reagieren. In den Augen seiner Gegner, ist all das ein Zeichen von Schwäche. Aber Hiskia weiß, dass es im letzten nicht darum geht, wie stark er ist oder scheint, sondern ob und wie Gott handelt.

Hiskia glaubt an den Gott, von dem Maria hunderte Jahre später sagen wird: Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Dass starke, erfolg- und einflussreiche Menschen Gott in die Reihe toter und längst vergessener Götzen einreihen möchten, ist ein Zeichen menschlicher Überheblichkeit.

700 Jahre nach Hiskia wurde an gleicher Stelle (Jerusalem) Jesus der menschlichen Willkür und Bosheit ausgeliefert. Er wurde verspottet, misshandelt, seine Freunde wurden eingeschüchtert und bedroht. Sein Tod war für die einen das ultimative Scheitern, das endgültige Zeichen für Schwäche.

Doch wir wissen, er lebt. Am Ende steht sein Zuspruch für uns heute: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost - ich habe die Welt überwunden!

Jochen Furthmüller,
Rheinstetten

Freitag, 13. August | Jung, dynamisch, erfolgreich … | 2. Könige 18, 1-12

Sommerandachten 2021

2. Könige 18, 1-12

Hiskia ist sehr jung, als er König wird. Mit 25 Jahren kommt er bereits an die Macht und er packt die Sachen an, die zu tun sind. Er tut es aber nicht nur aus eigener Kraft, sondern er vertraut auf Gott. Der unterstützt ihn in seinem Handeln.

Was haben Menschen heute mit 25 Jahren im Sinn? Vielleicht nicht zuerst nach Gottes Sinn zu handeln, sondern etwas zu erleben, die Welt zu sehen und das Leben zu genießen. Die meisten sind froh, auf eigenen Beinen zu stehen, da will man nicht auch gleich noch Verantwortung übernehmen.

Hiskia ist komplett anders!
Er vertraut auf Gott und handelt nach seinem Sinn. Er lässt die Opferplätze und Götzen abreißen. Selbst die bronzene Schlange, die Mose zur Rettung der Israeliten errichtet hatte, muss weg. Sie diente nicht mehr dem eigentlichen Sinn, sondern wurde zum Götzenbild der Israeliten. Sie beteten sie mehr an als Gott, deshalb musste sie fallen.

Da Gott Hiskias Tun gefällt, unterstützt er ihn in seinen Vorhaben und es gelingt „alles“.
Wünschen wir uns das heute nicht auch, dass alles, was wir tun, immer gelingt? Aber nein, oft verläuft es auch anders, als wir uns das vorstellen.
Dann müssen wir uns die Frage vielleicht auch gefallen lassen: handelten wir in Gottes Sinn oder verfolgten wir nur unsere Ziele und rannten vielleicht auch einem Götzen hinterher?

Die bronzene Schlange wurde von Mose angefertigt, um die Israeliten vom Biss giftiger Schlangen zu heilen. Sie demonstrierte Gottes Gegenwart und Macht. Inzwischen verehrten die Israeliten sie aber. Sie erinnerte nicht mehr an die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes.
Auch heute führen wir Dinge weiter, obwohl sie inzwischen ihren kompletten Sinn verändert oder verloren haben.

Als Christ darf man nicht Karten spielen, tanzen gehen, … Wer hat das nicht auch schon mal von älteren Gemeindemitgliedern gehört?

Solche Regeln sind sicher legitim, aber man sollte diese auch von Zeit zu Zeit immer wieder hinterfragen.

Das ist vor einigen Jahren bei uns in der Gemeinde geschehen.

Wir hatten einen Praktikanten (inzwischen ist er Pastor unserer Kirche), der einen Tanzkurs bei uns in der Gemeinde angeboten hat. Das hat bei den älteren Gemeindemitgliedern für Verwunderung gesorgt.

Aber es ging dabei nicht nur ums Tanzen, sondern auch um die Gemeinschaft, die Freude etwas gemeinsam zu lernen und zu tun. So waren wir eine bunte Gruppe aus vielen Altersgruppen. Am Ende hat es sich sehr gelohnt, diese „Regel“ zu hinterfragen.

So lohnt es sich auch heute immer wieder, manches Ritual oder eine alte Tradition zu hinterfragen. Wichtig ist dabei nur, nicht den Blick auf Gott zu verlieren.

Nadine und Jens Süß,
Crottendorf

Donnerstag, 12. August | Unwissenheit schützt vor Strafe nicht?! | 2. Könige 17, 24-41

Sommerandachten 2021

2. Könige 17, 24-41

Am Anfang habe ich nicht so wirklich einen Zugang zu dem Text gefunden und habe ihn daraufhin aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Dies führte dazu, dass ich mit euch die Gedanken teile, die mir gekommen sind, als ich die Sichtweise der Leute aus Babel, Kuta, Awa, Hamat und Sefarwajim, die von dem König in die Städte Samariens umgesiedelt wurden, eingenommen habe.

Zunächst hatte ich Mitleid mit ihnen und habe mir vorgestellt, dass es schwer ist, aus einer bekannten Umgebung herausgerissen zu werden. Wahrscheinlich mussten sie ihre Häuser zurücklassen und konnten auch nicht alles mitnehmen, was ihnen wichtig ist und war. Vielleicht mussten manche auch guten Freunden oder sogar Familienmitgliedern Lebewohl sagen, um in einer ganz neuen Umgebung auf Wunsch ihres Königs wieder von vorne anzufangen.
Dann kam mir aber der Gedanke, dass es vielleicht nicht nur negativ ist für die Menschen, vielleicht brauchen sie auch einen Neuanfang in der Fremde und sehen es als große Chance in die Städte Samariens zu gehen.

Doch egal, was die Menschen bewegt hat, als sie in ihrer neuen Heimat ankamen, bei einem Gefühl war ich mir sicher: Ich finde es unfair, dass sie dafür bestraft werden, dass sie die Regeln Gottes nicht befolgen. Natürlich führte dies dazu, dass sich die Bevölkerung beim König beschwerte, und verjagte Priester zurückgeholt wurden, um die Menschen über die Gebote und Bräuche des hiesigen Glaubens zu unterrichten – welche sie ja dann auch zumindest teilweise umsetzten.

Es fällt mir dennoch schwer, darin meinen Gott zu sehen, und ich hadere mit dieser Strenge – Menschen durch Löwenangriffe das Fürchten zu lehren.
Ich bin der Meinung, dass man Menschen für ihre Unwissenheit nicht bestrafen darf, vor allem, wenn sie nicht einmal wirklich die Möglichkeit haben, sich weiterzubilden. Derjenige, auf den die Strafe hätte gerichtet sein können, so dass es für mich einfacher zu verstehen gewesen wäre, wäre der König von Assyrien. Denn er war es, der die Menschen umgesiedelt hat und somit in meiner Vorstellung auch in der Pflicht stand, sie über die gegebenen Umstände aufzuklären.

Aber vielleicht muss es jeder für sich selbst entscheiden, ob das Sprichwort wahr ist oder nicht: Schützt Unwissenheit vor Strafe?

Katharina Schiemenz,
Berlin

Mittwoch, 11. August | Geschichtsstunde | 2. Könige 17, 1-23

Sommerandachten 2021

2. Könige 17, 1-23

Wer? Was? Wo? Sehr viele Fragezeichen in meinem Kopf. So ging es mir, als ich den Bibeltext gelesen hatte. Daher galt: erst einmal recherchieren, die Lage checken. Willkommen in einer biblischen Geschichtsstunde. Wir befinden uns im zweiten Buch der Könige. Dieses startet mit König Salomon, der das Volk Israel, das zu dem Zeitpunkt noch aus den zwölf Stämmen besteht, regiert. Nach seinem Tod kommt es zu einer Teilung in das Nordreich Namens „Israel“ (mit zehn der zwölf Stämme) und dem Südreich Juda (bestehend aus den zwei restlichen Stämmen Juda und Benjamin). Die beiden Königebücher handeln dann im folgenden die Geschichte der beiden Reiche mit ihren Königen (z. B. der im Text genannte Hoschea), Kriegen, Erfolgen und Misserfolgen ab, die letztendlich im Untergang und im Exil endet. Auf dieser Reise begegnen uns viele Propheten, die den Königen und Völkern versuchen, den rechten Weg zu weisen und viele Warnrufe tätigen. Wie das Ende zeigt, vergebens. Soweit ein grober Abriss.

Und genau das stellt auch der Großteil des ausgewählten Textes (Verse 7-23) dar: Es ist ein Reflexionstext über den Untergang Israels und das drohende Ende Judas durch den andauernden Ungehorsam gegen die Weisungen und Gebote Gottes, zum Beispiel durch Götzenverehrung. Und diese Verse reflektieren nicht nur das trockene Geschichtsgeschehen. Die Reflexion gibt uns auch ein Hinweis darauf, wie wir die Königebücher und deren Geschichte theologisch deuten und verstehen können. Die Verse 7-23 zeigen, dass die ganze vorangegangene Geschichte durchdrungen ist von Gottes Führung und Weisungen. Er war es, der Verheißungen aussprach. Er schickte die vielen Propheten, die darauf hinwiesen, was falsch läuft, und die ignoriert wurden. Er war es, der Land gab und der Land nahm, der siegen und der verlieren ließ. Und letztlich der, der straft, Konsequenzen aufzeigt, ins Exil verstößt. Als Reaktion auf den Ungehorsam seiner Völker, die sich gegen ihn stellen, andere Götter anbeten und vieles mehr. So können/sollen wir die Erzählungen der Königebücher laut der Verse 7-23 verstehen.

Und so lasse ich die Andacht enden wie sie begann. Mit Fragen, die zum Austausch und Nachdenken anregen sollen:
Was hältst du/haltet ihr von dieser theologischen Deutung?Willst du/wollt ihr diese Geschichte so verstehen? Das vorerst bittere Ende als Strafe Gottes? Wer nicht hören will, muss fühlen?

Eine Zusage zum Schluss soll aber nicht fehlen: Letztlich zeigt uns diese Bibelgeschichte auch wieder einmal: Egal wie es läuft, egal was wir anstellen, Gott bleibt bei uns, auch im Exil und darüber hinaus.

Jette Seemüller,
Nürnberg

Dienstag, 10. August | Kein stummer Christ sein | 2. Könige 16,1-16

Sommerandachten 2021

2. Könige 16,1-16

In meiner Gaming-Gruppe ist ein junger Mann. Anfang 20. Eigentlich ein netter Typ, denke ich. Freundlich, unaufdringlich, für jedes Spiel zu haben. Mit der Zeit bemerke ich eine Veränderung bei ihm. Er wird distanzierter. Sein Char immer fanatischer. Seine Sprüche außerhalb des Spiels herab lassend anderen gegenüber. Spreche ich ihn drauf an und riskiere wohl möglich einen Streit oder lasse ich es laufen und stelle mich blind und taub, wende mich gar von ihm ab?

In 2. Könige 16,1-16 begegnet uns auch ein junger Mann. Ahas, der König von Juda. Er folgt nicht dem gottesfürchtigen Weg seines Vaters, sondern folgt „dem schlechten Beispiel der Könige Israels“. Er wendet sich von JHWH ab und anderen Göttern zu und lässt sogar seinen eigenen Sohn als Opfer verbrennen. Als die Könige von Syrien und von Israel gegen Juda ziehen, verbündet Ahas sich mit dem König von Assyrien. Er schwört diesem Treue und unterwirft sich ihm, um gerettet zu werden. Schließlich übernimmt er sogar dessen Kult und lässt im Tempel für JHWE einen Altar aufstellen, der nach dem Vorbild eines Altars des assyrischen Kultes gebaut ist.

Keiner aus dem Volk schreitet ein oder erhebt seine Stimme, um diese Veränderungen zu verhindern. Eigentlich ist das die Aufgabe der Propheten. Gott hat sie berufen, um sein Sprachrohr zu sein. Um über den Bund mit ihm zu wachen und Götzenanbetung und Ungerechtigkeit im Volk und bei den Königen aufzudecken. Doch Urija, der aktuelle Prophet in Juda, schweigt. Er hilft sogar dabei, den neuen Altar im Tempel zu bauen, und folgt in allem den Anweisungen von König Ahas.

Den Mund aufmachen oder schweigen? Sich dem Gruppendruck unterordnen oder zu dem Stehen, an das man glaubt? Dass sich Menschen – Freunde sogar – verrennen und vielleicht unter „schlechtem“ Einfluss merkwürdige bis ungute Wege einschlagen, ist nicht neu. Die Versuchung, wie man an Ahas sieht, ist uralt. Doch die Herausforderung an uns Christen, an mich, wie ich darauf reagiere, besteht immer wieder.

Jesus sagt: Glücklich seid ihr, die ihr gehasst und ausgeschlossen und verspottet und verflucht werdet, weil ihr zum Menschensohn gehört. (Lk 6,22)
Gott, ich will nicht angefeindet oder ausgestoßen werden. Ich mag meine Gruppe, meine Freunde. Aber ich will auch nicht tatenlos zusehen, wenn sie andere verletzten, sie ungerecht behandeln oder sich über sie erheben. Du hast mich anderes gelehrt. Ich will deinem Weg folgen. Gib mir die Kraft dazu. In meinem Alltag. Auch da, wo es schwer fällt. Amen.

Friederike Meinhold,
Clausthal-Zellerfeld


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Die Andachten für die Sommerzeit 2021 wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der  Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens der jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die gedruckte Exemplate der Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben. Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.