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Sommerandachten 2022

Donnerstag, 28. Juli | Woran glaubst du? | Johannes 7, 40-52

Sommerandachten 2022

Johannes 7, 40-52

„Ich glaube, dass Außerirdische unter uns wohnen.“ – „Ich glaube, dass der Mensch vom Affen abstammt.“ – „Ich glaube, dass die Sterne uns den Weg weisen.“ – „Ich glaube an Gott.“ – „Ich glaube, Steine haben heilende Kräfte.“ – „Ich glaube, die Erde ist eine Scheibe.“ – „Ich glaube, dass Jesus Gottes Sohn ist.“

Menschen glauben viel, wenn der Tag lang ist. Menschen bilden sich ihre eigene Meinung. Menschen beziehen Stellung zu Dingen, die in der Welt geschehen. Ich denke, das ist eine Sache, die den Menschen überhaupt zum Menschen macht – Tiere interessieren diese Fragen wahrscheinlich weniger. Manchmal beneide ich zum Beispiel Ameisen, die dahingehend möglicherweise ein entspannteres Leben haben und sich nicht ständig mit ihren Artgenossen über ihren Standpunkt streiten müssen, sondern einfach wissen: Ich gehe meiner Arbeit gewissenhaft nach und das genügt für den heutigen Tag. Gerade während der Pandemie habe ich es immer wieder als sehr anstrengend erlebt, dass jeder einen Standpunkt vertreten musste und jeder (obwohl wahrscheinlich niemand wirklich sicher etwas wusste) andere davon überzeugen wollte, dass er richtig liegt. Das erinnerte mich immer ein bisschen an das Lied „im Land der Blaukarierten“ …  Wenn ich den Pharisäern im Bibeltext so lausche, dann fühle ich mich direkt an so manchen Küchentisch, an dem ich saß, zurückversetzt. Puh … lieber wäre ich eine Ameise …

Und andererseits ist es ein Privileg, diese großen Fragen denken zu können. Gott gibt uns damit die Möglichkeit, über ihn nachzudenken und die Beziehung zu ihm aktiv zu gestalten. Es ist eine Chance und ein Privileg, dass wir über den Sinn des Lebens nicht nur allein nachdenken, sondern uns sogar mit anderen darüber austauschen können. Ich finde im Bibeltext spannend, dass offenbar diejenigen ihre Meinung über Jesus geändert haben, die ihn persönlich getroffen haben. Dazu passt auch, was Jesus davor im Bibeltext sagt: „Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken! Wer an mich glaubt, aus dessen Inneren werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

Für mich ist das eine Erinnerung bei allen Streitthemen: Nur bei Jesus finde ich die endgültige Wahrheit und nur in seiner Gegenwart habe ich die Möglichkeit, Lügen aufzudecken und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Manchmal erlebe ich, wie scheinbar große Fragen in der Gegenwart von Jesus viel kleiner werden, als sie sich vorher aufgeblasen hatten. So will ich immer wieder mit meinem Durst nach Wahrheit zu Jesus kommen und mich von ihm auffüllen lassen mit dem, was er für mich bereithält.

Josefine Will, Hartenstein

Mittwoch, 27. Juli | Werde trinkfest! | Johannes 7, 32-39

Sommerandachten 2022

Johannes 7, 32-39

Für die Leute um Jesus herum, war es, als spräche er in Rätseln. Was meinte er denn damit? Sollte das ein Versteckspiel werden? Oder hatten sie eine wichtige Aussage verpasst, sodass sie diese Ankündigung einfach nicht verstehen konnten? Wir wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Doch noch einmal kurz zurück zu den verwunderten Zuschauern. Unter ihnen waren auch Pharisäer. Schriftgelehrte, die sich gut auskannten mit, wir würden heute sagen, dem Alten Testament. Und trotzdem konnten sie die Zeichen und Worte nicht deuten, die schon in den alten Schriften auf Jesus hinwiesen. In Vers 38 sagt Jesus: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat ...“ Jetzt kann man schnell denken: „Mensch, was waren die doch doof! Haben ihn direkt vor den Augen und erkennen ihn trotzdem nicht!“ Das kann uns im Alltag auch schnell passieren, dass wir Jesus nur sehen oder hören wollen, wie wir das gerne hätten oder erwarten. Oder: „Ja, wenn selbst DIE ihn nicht erkannt und verstanden haben, wie soll ich das denn tun?“ Abwarten! Denn ich sage dir: „Doch, du kannst!“

Und jetzt kommt die starke Message und Auflösung des ganzen Rätsels, das wir dank der Bibel weiterverfolgen können. Was meinte Jesus denn damit, dass er bald weggehen würde, wohin die anderen nicht mitkommen konnten? Er sprach hier bereits von seinem Tod am Kreuz und der Auferstehung. Er wusste schon, dass dies Gottes Plan für die Menschen war und er kannte seine Aufgabe darin und führte sie später im Gehorsam aus.

Und nicht nur das. Schon in dieser Textstelle gibt Jesus eines seiner wunderbaren Versprechen: „Wenn jemand Durst hat, soll er zu ihm kommen und er wird ihm zu trinken geben. Ja, wer an ihn glaubt, aus dem werden Ströme lebendigen Wassers fließen!“ Vers 39 erklärt uns gleich, dass es sich hier nicht um gewöhnliches Trinkwasser handelt, sondern um den Heiligen Geist, also den Geist Gottes. Schon hier kündigt Jesus ihn an, erst später in der Geschichte erfahren wir, wann und wie dieser dann kam. Der Heilige Geist gehört zum Glauben an Jesus fest dazu. Welche Eigenschaften beschreibt Jesus hier? Zum einen, dass wir keinen Durst mehr haben. Das bedeutet, dass alle unsere Sehnsucht nach Freude, Frieden, Erfüllung usw. gestillt wird. Einfach weil wir so überreich gefüllt sind, mit dem, was Gott uns durch seinen Geist schenkt und wirkt. Lebendiges, gesundes, wohltuendes Wasser. Und dieses gibt Jesus uns nicht nur für uns allein, sondern in solchem Überfluss, dass es nach außen zu anderen Menschen dringt.

In Galater 5, 22 werden Dinge genannt, wie Liebe, Freude, Friede, Freundlichkeit, Geduld, Rücksichtnahme, Güte, Treue, Selbstbeherrschung, die aufgrund des Heiligen Geistes in uns, aus uns hervorkommen. Zusammengefasst, gibt es drei wichtige Punkte, die für unser Leben wichtig sind, und die wir aus dem heutigen Text mitnehmen können:

1. Jesus stellt sich in der Schrift, also in der Bibel vor. Nicht nur er, sondern die ganze Geschichte Gottes (dreieinig: Vater, Sohn und Geist seit Beginn an) mit den Menschen können wir in der Bibel erfahren. Die Worte sind brandaktuell und haben DIR ganz persönlich jeden Tag etwas zu sagen. Wenn wir die Bibel lesen, lernen wir Gott immer besser kennen und auch, wie unser Leben aussehen kann und soll.
2. Wie uns das möglich wird, das in unserem Leben umzusetzen, und die Worte zu verstehen, verrät Jesus uns auch schon im heutigen Textabschnitt. Dafür hat er uns extra den Helfer, den Heiligen Geist, gesendet. Er hilft uns, die Bibel zu verstehen und verändert unser Leben, wenn wir ihn machen lassen. Wir dürfen uns ihm ganz anvertrauen. Sprich ruhig ganz ehrlich und direkt mit Jesus!
Und 3. geht diese Veränderung dann über unser eigenes Leben hinaus. Aber dazu in späteren Kapiteln mehr. Zuallererst brauchen wir Schritt eins und zwei. Wie sieht es da bei dir aus? Ich verspreche dir, du wirst einen Schatz darin entdecken!

Maria Stümpert, Weinstadt

Dienstag, 26. Juli | Ich kenne dich | Johannes 7, 25-31

Sommerandachten 2022

Johannes 7, 25-31

„Ich bilde mir nicht ein dich zu kennen oder auch nur ein Stück deines Lebens.“ Das sind Verse der Dichterin Margaret Atwood. Als Jugendliche las ich sie in einem Buch. Bis heute habe ich sie nicht vergessen. Immer wieder kommen sie mir in den Sinn, wenn mich andere Menschen überraschen.

Wie z. B. Harald Glööckler. Der Modedesigner war im diesjährigen Dschungelcamp. Dort fiel auch häufig der Satz: Jetzt zeigen sie ihr wahres Gesicht. Als hätten wir Menschen nur ein wahres Gesicht und als könnten Moderierende, Zuschauende und Mitcampende das überhaupt beurteilen.

Aber es fällt auf: Mitcampende wie Zuschauende sind überrascht, wie sich Herr Glööckler da gibt. Mal positiv, mal negativ.

Überraschen kann mich aber nur, wo ich mir schon eine Meinung gebildet habe, wo ich schon ein bestimmtes Bild über eine andere Person im Kopf habe. Es ist menschlich, sich Bilder und Meinungen über andere zu machen.

Schwierig wird es, wenn die Meinungen fest zementiert sind. Wenn ich denke, mein Bild von meinem Gegenüber ist sein oder ihr „wahres Gesicht“. Dann lasse ich in meinem Kopf nicht mehr zu, dass er oder sie auch anders sein könnte. Dann verbaue ich mir die Chance, den anderen wirklich kennenzulernen, und so entstehen auch schnell Vorurteile, Ablehnung und Ausgrenzung.

Jesus hat das auch erfahren. Die Menschen hatten damals ein bestimmtes Bild im Kopf, wie der Messias / Christus zu sein hat oder sein würde, wenn er kommt. Oft gab es heftige Diskussionen, wenn er diese Erwartungen, diese Bilder nicht erfüllt hat. Genau wie im Bibeltext.

Die einen sagen: Er ist der Christus. Die anderen meinen: Wir kennen ihn doch. Wir wissen, wer seine Eltern sind, kennen seine Herkunft. Er kann nicht der Messias sein.

Jesus stellt daraufhin ihr festes Bild von ihm in Frage: Wisst ihr wirklich woher ich komme? Kennt ihr mich wirklich?

Die Verse vom Anfang – ich beziehe sie nicht nur auf andere Menschen. Ich beziehe sie auch auf meine Beziehung zu Jesus. In der Bibel lesen, zusammen mit anderen Lobpreis und Gottesdienst feiern, das stärkt unsere Beziehung zu Jesus und bringt uns ihm näher. Aber es wäre vermessen zu denken, dass wir ihn irgendwann ganz und gar kennen und durchschauen. Dass wir 100 % wissen wie er tickt. Wenn wir ihn so sehen, wie die Leute damals, dann verpassen wir die Chance ihn wirklich kennenzulernen und uns von ihm auch ab und zu überraschen zu lassen.

Oder wie es in dem Lied von Mark Pendergrass heißt: „Das Höchste meines Lebens ist: Dich kennen, Herr. Dich kennen mehr und mehr“.

Friederike Meinhold, Clausthal-Zellerfeld

Montag, 25. Juli | Liebe unter Freunden | Johannes 7, 14-24

Sommerandachten 2022

Johannes 7, 14-24

Es ist wieder einer dieser Abende. Es ist Samstag, der Tag nähert sich dem Ende und ich bin auf dem Weg zu einem Kollegen. Vor mir liegt ein entspannter Abend mit gemütlichem Beisammensitzen, guter Musik und vor allem zusammen mit meinen Freunden. Es wird wieder viel gequatscht. Typische Themen bei uns sind Ausbildung, Autos, Sport und wenn es später wird, wird auch gern über Politik geredet. Alles, was gerade so für uns relevant ist oder scheint. Ich genieße solche Abende. Ich denke oft darüber nach wieso eigentlich? Sind es die guten Gespräche, die dabei entstehen? Das gemeinsame Lachen über blöde Witze, die gerissen werden? Oder vielleicht auch die eine oder andere Meinungsverschiedenheit, die dann ausdiskutiert werden muss. Mir ist aufgefallen, dass auch wenn die Themen oder die Musik immer wechseln, die Menschen gleich bleiben, mit denen ich den Abend verbringe. Und es wird nie langweilig. So vergeht wahnsinnig schnell die Zeit, und bevor man sich versieht, ist man auf dem Heimweg. Ich laufe etwa eine halbe Stunde und lasse meine Gedanken schweifen. Als ich so am Grübeln bin, warum ich Abende wie diese so sehr schätze, fällt mir eine Stelle aus dem Johannis-Evangelium ein. „Und so lautet mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“

An dieser Stelle geht es um die Liebe zwischen Jesus und seinen Jüngern, die er als seine Freunde bezeichnet. Jesus liebt seine Freunde so sehr, dass er für sie stirbt. So geht es auch in der Bibel weiter. „Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für die Freunde gibt.“ Das klingt schon heroisch. Fast wie aus einem Film. Aber kann ich das auch auf mein reales Leben ummünzen? Klingt schwierig. Man müsste sich die Frage stellen, ob man sein Leben geben würde für seine Freunde. Jesus hat es getan, aber würde ich es auch tun? Ich glaube, ehrlich gesagt, nicht. Es ist schon eine für mich sehr komische Vorstellung, einmal in die Situation zu geraten, in der ich zwischen meinem und dem Leben eines Freundes entscheiden müsste. Dennoch ist das, glaube ich, nicht der einzige Weg, seinen Freunden zu zeigen, dass man sie liebt. Der Tod als Liebesbeweis scheint für Jesus eine Option zu sein. Für mich ist sie keine.

Aber wie zeigt man seinen Freunden, dass man sie liebt? Typische Liebesbeweise, wie z. B. Rosen kaufen oder knutschen, halte ich bei meinen Freunden für eher unangebracht :) Stattdessen sind es, glaube ich, die kleinen Dinge wie zuhören, einander Akzeptieren oder in schwierigen Situationen den Rücken stärken, die zeigen, dass man einander liebt. Ob man das als Liebe untereinander definieren möchte, ist jedem selbst überlassen, denn jeder hat von Liebe eine andere Vorstellung. Ich für meinen Teil kann sagen, ich liebe meine Freunde so, wie Jesus es getan hat. Vielleicht weniger heroisch aber wenigstens zeitgemäß :)

Jugendkreis Zwickau

 

Sonntag, 24. Juli | Ein Text, viele Perspektiven | Psalm 139

Sommerandachten 2022

Psalm 139

„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir”. Dieser 5. Vers aus Psalm 139 ist ein oft gewählter Taufspruch. Bei der Taufe wird das ganze Leben eines Menschen in Gottes Hand gelegt. Wie schön ist die Vorstellung, dass Gott uns umgibt und auf uns aufpasst! Wenn ich von einem Gott ausgehe, der es gut mit mir meint, weiß ich ihn gerne an meiner Seite.

Doch die Vorstellung, dass Gott immer und überall bei mir ist, kann auch ins Negative kippen. Als kleines Kind hatte ich schon dieses Bild von Gott in meinem Kopf: Gott weiß alles, er sieht immer, was ich tue. Ich habe mir das damals so vorgestellt, dass Gott durch alles durchsehen kann, wenn er will. Ein alter, mächtiger Mann, der im Himmel sitzt und uns Menschen beobachtet, um uns irgendwann zu bewerten. Bei all meinen kleinen und großen Fehlern fühlte ich mich stets, als ob mir Gott prüfend über die Schulter schaut und mich mit erhobenem Zeigefinger zur Besserung mahnt. Daraus fand ich als kleiner Junge keinen Ausweg. Ich fand diese Vorstellung gruselig. Ich finde sie heute noch gruselig.

Wenn ich heute an Gott denke, denke ich nicht mehr an einen alten Mann, der mich jeden Tag beobachtet und der durch mich durchschauen kann. Gott ist für mich weniger männlich, weniger alt und weniger überwachend geworden. Je nachdem, wie ich mir Gott vorstelle, erscheinen biblische Texte in ganz verschiedenen Perspektiven und der gleiche Text kann ganz unterschiedlich wirken.

An dieser Stelle lohnt es sich zu versuchen, die Perspektive zu erforschen, aus der der Text geschrieben wurde.
Aus Vers 19 können wir ableiten, dass die Person, die den Psalm geschrieben hat, in einer Verfolgungssituation war. In einer solchen Situation finde ich es beeindruckend, wenn sie sich an einen Gott wendet, der sie in- und auswendig kennt. Wenn wir von einer Verfolgung ausgehen, bei der es um Leben und Tod ging, können wir vielleicht auch die heftigen Verse 20 bis 22 einordnen. Seinen Feinden den Tod wünschen, das ist mir heute zum Glück fremd. Ich kann mir gar nicht richtig vorstellen, wie schlimm die Lage sein muss, um so zu denken. Wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, kenne ich Rachegelüste aber auch von mir selbst. Es tut mir gut, dass ich sie hier in einem biblischen Text wiederfinde. Denn das Bedürfnis nach Rache, nach Vergeltung wird zwar formuliert, gleich im nächsten Atemzug wird Gott aber darum gebeten, diese Gedanken zu erforschen und die betende Person auf dem richtigen Weg zu begleiten.

Vor diesem Hintergrund ist Psalm 139 für mich ein bereichernder Text, der mir keine Angst macht.

Ich lese von einem Gott, der mich ganz genau kennt, der mich begleitet und es gut mit mir meint. Auch wenn es im Leben immer wieder Situationen gibt, in denen ich meinen Mitmenschen Schlechtes wünsche oder in denen ich gefangen bin in meiner Perspektive auf die Welt, kann ich damit zu Gott kommen und meiner Wut und Verzweiflung einen Platz geben. Das ist viel wert!

Aus welcher Perspektive liest du den Text? Welche Vorstellungen von Gott prägen dein Verständnis der Bibel? Ich glaube, dass Gott sich immer wieder neu zeigt, wenn wir ins Gespräch kommen und unseren Glauben aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutieren.

Moritz Mosebach, Tübingen

Samstag, 23. Juli | Ein geheimnisvoller Typ, dieser Jude | Johannes 7, 1-13

Sommerandachten 2022

Johannes 7, 1-13

„Das war eben noch eine andere Generation!“ denke ich – während das Nudelwasser überkocht. Da hat man eben noch nicht so auf political correctness geachtet, und dann schreibt so ein Luther eben von den Juden, die Jesus nach dem Leben trachteten und vor denen die Jünger Jesu sich fürchteten. Als wären Jesus und seine Leute keine Jüdinnen und Juden gewesen.

Ich weiß ja nicht, mit welcher Bibelübersetzung Du in diesem Sommer so unterwegs bist. Vielleicht hast du ja eine Bibel in gerechter Sprache neben dir liegen oder die Basis Bibel. Und vielleicht fällt dir dann auch auf, dass dort die Geschichte von Jesus, der heimlich zum Laubhüttenfest nach Jerusalem reist, ganz anders erzählt wird als in der Lutherbibel. Dort ist die Rede von den jüdischen Behörden oder einfach von Menschen aus Judäa, denen Jesus ein Dorn im Auge war. Das klingt doch schon ganz anders und entspricht auch einfach besser den Fakten. Denn dass Jesus Streit mit einigen seiner Brüder und Schwestern des jüdischen Glaubens provozierte, ist richtig. Aber es ist eben nicht richtig, Jesus als Gegner der kompletten jüdischen Glaubensgemeinschaft zu verstehen. Und leider lässt sich die Lutherübersetzung so lesen – was schade ist.

Aber machen wir nun mal eine Biegung weg von der Frage, wie alles erzählt wird, hin zur Frage, was erzählt wird. Jesus hat sich die Freiheit genommen, einige Erwartungen seiner Mitmenschen nicht zu erfüllen. Er solle doch mit zu diesem wichtigen jüdischen Fest kommen und dort als Lehrer auftreten. Die JüngerInnen so: „Das wäre doch gut für dein Image und würde sicherlich einige FollowerInnen generieren. Komm uns jetzt bloß nicht mit: Ich bin zwar Gottes Sohn, aber das soll keiner wissen.“ Genau das scheint Jesus aber zu denken. Seine Zeit sei noch nicht gekommen, sagt er. Oder auch, dass die Welt ihn hasst, weil er über sie sagt, sie bringe viel Schlechtes hervor.

„Wie muss das wohl gewesen sein, damals …?“ frage ich mich, während ich die Nudeln abgieße. Ich meine, da kommt so ein charismatischer Typ daher, viele fühlen sich von ihm gesehen, als würde Gott selbst sie ansehen. Andere hassen ihn, weil er alles durcheinanderbringt – und er weiß vielleicht selber nicht so recht. Wenn ich Jesus heute treffen würde – was würde ich von ihm halten? „Geheimnisvoller Typ“ würde ich wohl denken. Und das denke ich ja eigentlich heute auch. Christlicher Glaube ist für mich auch Geheimnis. Gott ist für mich Geheimnis. Ein gutes Geheimnis, das niemandem schadet. Es ist eben nicht alles klar und eindeutig. Nicht alles schwarz-weiß. Nicht alles geklärt. Geheimnisvoller Typ.

Marei Glüer, der EmK im Herzen verbunden, Pastorin in der Nordkirche

Freitag, 22. Juli | Mal wieder Zeit für ein Date mit Gott? | Johannes 6, 66-71

Sommerandachten 2022

Johannes 6, 66-71

„Herr, zu wem sollten wir denn gehen?“ – „Deine Worte schenken das ewige Leben“ – „Wir glauben und haben erkannt“. Das sind Worte, die zusammenfassen, was es bedeutet, in seiner Seele von Gott ergriffen zu sein. Diese Worte sollten eigentlich unfassbar zuversichtlich und glücklich klingen, oder? Das tun sie für mich wenigstens an dieser Stelle nicht, sondern eher ... resigniert vielleicht? Simon Petrus ist ergriffen von der göttlichen Wirklichkeit, und doch ist es um ihn herum alles andere als einfach. Viele wenden sich von Jesus ab, weil sie seine Worte als eine Zumutung erleben. Ich kann mir vorstellen, wie der eine oder andere „davonlatscht“ und in seinen nicht vorhandenen Bart nuschelt: „Einen ganz schönen Messiaskomplex hat der Gute …“. Zu allem Überfluss kündigt Jesus auch noch baldiges Leid an.

Es erinnert mich an Situationen, in denen man als langjähriger Christ innerlich sagt: „Verdammte Axt, Gott, ich glaube ja an dich, ich habe dich auch erlebt, das kann ich gar nicht bestreiten und ich weiß auch, ich gehöre zu dir. Und ich weiß, dass ich das, was ich bei dir finde, sonst nirgends entdecken werde, aber: Es ist grad alles ganz schön scheiße, Gott. Kümmerst du dich noch, Gott? Deine Kirche und die meisten Christen um mich herum sind auch eine ganz schöne Zumutung, Gott. Lohnt sich das alles noch, Gott? Aber dennoch: Zu wem soll ich denn sonst gehen? DEINE Worte schenken mir ewiges Leben. Nach wie vor glaube ich, weil ich erkannt habe.“

Wenn es dir gerade so geht, ist mein Rat: Versuch es mal wieder mit einem Date mit Gott. Unsere Beziehung zu Gott kann manchmal zu gefühlten Arbeitsmeetings verkommen. „Gott, ich brauch dich hier. Gott, ich werde gebraucht hier, leite mich. Gott, ich habe hier eine Entscheidung zu treffen, führe mich.“ Alles super, notwendig und gut. Doch vielleicht fehlt dir mal wieder zweckfreie Zeit mit Gott. Eben kein „um zu“, sondern einfach Zeit miteinander verbringen, sich von Ihm lieben lassen. Das kann heißen, einfach sich hinsetzen, eine Worship-Playlist anmachen und die Gegenwart Gottes genießen, ohne große Worte. Oder einen Spaziergang durch den Wald machen und Gott von all dem Schönen um dich herum erzählen – wie es ein kleines Kind tun würde mit seinen Eltern. Oder vielleicht mal eine für dich ganz untypische Gebetsform ausprobieren – eventuell magst du mal ein Gebet malen oder bewusst einen Freund oder Freundin anrufen und sie fragen, wie es seiner oder ihrer Gottesbeziehung geht und zusammen über Gott und eure Herausforderungen und Erfahrungen reden. Ich verspreche, da wird Gott mit dabei sein. Mach mal wieder ein Date mit Gott aus!

Claire Hamer, München


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Die Andachten für die Sommerzeit 2022 wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens der jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die gedruckte Exemplate der Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben. Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.